Fachinformationen rund um's Kleben von

Kennzeichnungsfolien

Kennzeichnungsfolien aus Polyester, PVC, Acrylat oder PU finden sich unter anderem zur Produkt-, Teile- oder Lagerplatzkennzeichnung, bedruckt mit fester Symbolik oder Barcode. Als Folienetiketten sind sie je nach Material hochbelastbar, witterungs-, chemikalien- und hitzebeständig. Daneben sind moderne Folienprodukte überaus anschmiegsam und haften auf rauen, strukturierten oder sogar auf dreidimensional gewölbten Untergründen – etwa für das Car Wrapping oder als tiefziehfähige Farbfolien für Lichtwerbeanlagen.

Bei Kennzeichnungsfolien handelt es sich in der Regel um bedruckbare Folien, die, bisweilen zum Etikett gestanzt, ihren Zweck zur Kennzeichnung erfüllen, ob als einfaches Label, Typenschild, Hinweiszeichen mit Piktogramm oder zur Markierung von Rettungs- bzw. Fluchtwegschildern. Anders als viele andere Etiketten aus Papier oder Gewebe bestehen solche Folienetiketten regelmäßig aus sehr dünnem Kunststoff. Wenn es um Wetterfestigkeit, Robustheit und Temperaturbeständigkeit geht, sind Folienetiketten zur Produktkennzeichnung besser geeignet als Papieretiketten. Produzenten selbstklebender Kunststofffolien liefern diese zumeist als Endlosrollen an Etikettendruckereien, welche das Stanzen, Konfektionieren und Bedrucken übernehmen und Endverwender so mit fertigen Etiketten beliefern.

Material/Eigenschaften

Die erzielbaren Eigenschaften hängen stark vom Folienmaterial ab. Mögliche Eigenschaften von Kennzeichnungsfolien sind:

  • Lösungsmittelbeständigkeit
  • Temperaturunempfindlichkeit
  • Feuchtigkeits- und Seewasserbeständigkeit
  • Haftfähigkeit auf niedrig-energetischen oder leicht öligen Untergründen
  • Haftfähigkeit auf stark strukturierten oder gewölbten Oberflächen
  • Reißfestigkeit
  • Widerstandsfähigkeit gegen Abriebbelastung
  • Elastizität
  • Transparenzgrad

Die verbreitetsten Materialien für Kennzeichnungsfolien sind:

  • Polyester, PET: temperaturbeständig, kaum Materialverzug, langlebig, resistent gegen Wasser und Chemikalien
  • Polyvinylchlorid, PVC: sehr anschmiegsam, sicheres Haften auch auf unebenen Flächen, beständig gegen Wasser, Chemikalien, UV-Einstrahlung
  • Acrylat: hochtemperaturbeständig, gute Haltbarkeit, sehr gute UV- und Witterungsbeständigkeit, formstabil, lösemittelbeständig
  • Polyurethan, PU: besonders geeignet für z. B. Sicherheitsetiketten, Hologrammfolien 

Die Foliendicken liegen dabei meist zwischen 0,04 und 0,125 mm.

Anwendungsbeispiele für Kennzeichnungsfolien

Lagerplatzkennzeichnung

Durch mit Barcodes versehene Folienetiketten zur Lagerplatzkennzeichnung lassen sich zu kommissionierende Erzeugnisse schnell finden. Bewährt haben sich hier etwa retroflektierende Thermoscript-Folien des Anbieters 3M, die für die berührungslose Barcode-Erfassung besonders im Außenbereich geeignet sind. Besonderheit: Die per Thermotransferdruck aufgebrachten, maschinenlesbaren Barcodes lassen sich auf dem reflektierenden Untergrund unter polarisiertem Licht verwenden und reflektieren den sichtbaren Teil des Spektrums. So können Daten selbst über große Distanzen mittels Scanner zuverlässig erfasst werden, was den Erfassungs-Zeitaufwand merklich verringert.

Produkt- oder Teilekennzeichnung

Wasserdampfundurchlässige, selbstklebende Metallfolien sind hervorragend als Haftetiketten für die Produkt- oder Teilekennzeichnung geeignet. Bedruckbare und prägbare Produkte wie die 3M Aluminiumfolie 7940 schmiegen sich zudem noch um Ecken, Kanten oder Formen an.

Witterungsbeständige Kennzeichnungsfolien

Sicherheits- und Gefahrenhinweise z. B. müssen zuverlässig jeder Witterung trotzen, ob bei Regen, Sonne oder Frost. Witterungsbeständige Etikettenfolien hierfür sind meist aus dem Material Polyvinylchlorid (PVC), bisweilen auch aus Polyurethan (PU). Für den zuverlässigen und dauerhaften Außeneinsatz eignet sich der Folienwerkstoff aufgrund seiner geringen Rückstellkräfte ebenso wie für das Kleben auf dreidimensional gewölbten Untergründen.

Universal-Kennzeichnungsmaterial Polyesterfolie

Recht verbreitet wegen ihrer Witterungsbeständigkeit gerade zur Kennzeichnung im Außenbereich sind auch Polyesterfolien. Dies gilt ebenso für die Kennzeichnung bei Geräten, die starker Chemikalienbelastung ausgesetzt sind. So halten bedruckte Polyesterfolien Lösemitteln, Aceton oder auch Bremsflüssigkeiten stand.

Auch für anspruchsvolle, kritische Untergründe wie faserverstärktes/gefülltes PP oder PA und Kunststoffteile im Innen- und Motorenraum, von denen eine überdurchschnittliche Haftfähigkeit verlangt wird, sind Kennzeichnungsfolien aus Polyestermaterial die beste Wahl. Moderne Produkte am Markt wie die 3M Polyesterfolie 92200 eignen sich für raue, strukturierte Untergründe mit Rautiefen von 50 μm bis 300 μm.

Sogar zum Kleben auf temporär ausgasenden Materialien kommt das universelle Folienmaterial zum Einsatz. So besitzt etwa die weiße Polyester-Folie 7220SA von 3M mit ihrer polygonartigen Schutzschicht winzige Kanäle im Klebstoff. Diese bleiben nach dem Aufbringen noch eine gewisse Zeit offen, so dass eingeschlossene Gase, Luft oder Wasserdampf entweichen können. Dies bedeutet ein blasenfreies Kleben und weniger Verformungen insbesondere beim manuellen Aufbringen umfangreicher, dekorativer Etikettenformate.

Kennzeichnungsfolien für Hochtemperatur-Anwendungen

Selbst für die Extrembedingungen der Leiterplattenbestückung und die hohen Prozess-Temperaturen beim anschließenden Löten existieren widerstandsfähige, bedruckbare Acrylatfolien. Am Markt sind beispielsweise die hochtemperaturbeständigen Folien 3921 und 3922 DSL von 3M für die Leiterplatten- oder Stahlkennzeichnung in heißer Umgebung von bis zu 300 °C. Diese können sich zudem an Kanten, Formen und Ecken anschmiegen.

Rohrkennzeichnung

Die DIN 2403 verlangt, dass bei nichterdverlegten Rohrleitungen der Durchflussstoff durch eine Rohrkennzeichnung klar erkennbar sein soll. Hierfür existieren anschmiegsame Spezialfolien, die kein Problem mit kleinen Radien oder Rundungen haben – entweder als sich selbst überlappendes Etikett oder als Fähnchen. In der Trinkwasserinstallation sind für Rohrkennzeichnungen etwa CE-Konformität oder DVGW-Zertifizierungen Voraussetzung.

3D-Folien

Für den Einsatz auf gewölbten Oberflächen, etwa das Aufbringen von Designelementen, bietet 3D-Folie heute innovative Möglichkeiten im Bereich von Kennzeichnung und Gestaltung. Dazu zählen Digitaldruckfolien für das Car Wrapping/Car Styling, Folien für den Bootsbau, die Gestaltung von Gebäuden oder tiefziehfähige Farbfolien für Lichtwerbeanlagen. Die Dehnbarkeit des Materials sowie die Funktionalität des Klebstoffes erlaubt hier eine leichte, konturfolgende Applizierung großflächiger, selbstklebender Folien auf dreidimensional geformten Oberflächen. Dies gelingt auch dank innovativer Klebstofftechnologien wie 3M Controltac. Auf der Klebstoffoberfläche vorhandene Mikroglaskügelchen wirken hierbei wie mechanische Abstandshalter zwischen Untergrund und Klebstoff. Die Folge: Die Folien lassen sich wie bei Nassklebungen anfangs noch leicht verschieben, und dies selbst auf stark geformten oder mit Nieten versehenen Oberflächen.

Ex-Schutz-Kennzeichnung

Ob Tankstelle, Bergbau oder Lackieranlage: Explosionsgefährdete Bereiche müssen überall dort, wo brennbare Gase, Dämpfe oder Stäube in der Luft sind, ausgewiesen werden. Doch für Folienmaterial zur Kennzeichnung von Ex-Schutz-Bereichen existieren strenge Auflagen. So müssen sich diese u. a. durch eine Wisch- bzw. Haftfähigkeitsprüfung unter Extrembedingungen nach internationalen Standards bewähren. Jedes Material, das auf diesem Gebiet zum Einsatz kommt, ist nach europäischen sowie amerikanischen Prüfstandards zu kennzeichnen.

Kennzeichnung von Glastüren

In Deutschland besteht nach BGV/R (Berufsgenossenschaftliches Vorschriften- und Regelwerk) eine Kennzeichnungspflicht für durchsichtige oder lichtdurchlässige Glastüren und -wände in Augenhöhe – etwa im Bereich von Arbeitsplätzen oder Verkehrswegen (z. B. Büro, Praxis, Hotel, Restaurant). Diese müssen durch geeignete Aufkleber bzw. Klebefolien markiert werden, die es in vielen Variationen gibt. Auch individuelle Firmenlogos sind hier möglich. Bei Einscheiben-Sicherheitsglas sollte die Kennzeichnung jedoch immer aus mehreren kleinflächigen Aufklebern bestehen.

Zertifizierungsverfahren für Kennzeichnungsfolien/-Etiketten

Das anerkannte Prüfinstitut Underwriters Laboratories, kurz UL, prüft Produkte, Materialien und Komponenten auf gewisse Standards und Produktsicherheit. Dabei geht es vor allem um die Sicherheitsanforderungen der USA. Das Prüfsiegel ist auch in Europa anerkannt, denn das hohe Ansehen des über hundertjährigen Prüfinstitutes bestätigt die Qualität des Produktes sowie der eigenen Marke und schafft Vertrauen.

Maßgeblich für Etikettenfolien ist die UL-Prüfnorm 969, die sich hauptsächlich auf Material bezieht, das auf sicherheitsrelevanten Produkten klebt. So dürfen Etiketten auf Brandschutztüren beispielsweise nicht brennen. UL-anerkannte Labels und Folien müssen daher z. B. gegen erhöhte Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit oder das Eintauchen in Wasser, gegen Witterung, Reinigungs-/Lösungsmittel, Öl, Benzin oder Schmierstoffe sowie mechanische Belastungen beständig sein. Geprüft wird jeweils die Anwendung der Aufkleber im Innen- und Außenbereich.

Der Prüfkatalog der UL-Prüfnorm 969 (Auszug):

Wetterbeständigkeit:

  • Beständigkeit gegen Feuchtigkeit und Wasser
  • Beständigkeit gegen Chemikalien
  • Temperaturbeständigkeit

Anwendungsbedingungen

  • Nutzung im Innen-/Außenbereich
  • Verschiedene Temperaturbereiche
  • Unterschiedliche Substrate
  • Druckermaterial, z. B. Thermotransferbänder