Fachinformationen rund um's Kleben von

Montageklebeband

Kleben statt bohren

Mehr und mehr revolutionieren Klebebänder die Verbindungs- und Montagetechnik unterschiedlichster Materialien: Während vor einigen Jahren Schweißen, Löten, Schrauben oder Nieten noch gang und gäbe waren, erobern leistungsfähige Klebeband-Lösungen zunehmend etwa den Automobilbau, die Architektur und sind auch im Heimbereich längst verbreitet.

Geschichte der Montageklebebänder

1901 entwickelte Oscar Troplowitz für das Unternehmen Beiersdorf AG den ersten Klebeverband, für den er den Begriff Leukoplast erfand. 1923 erfuhr Richard G. Drew, Ingenieur bei 3M von dem Problem, fertiggestellte Teile bei zweifarbigen Autolackierungen abzudecken. Zwei Jahre lang experimentierte er unter anderem mit pflanzlichen Ölen, Harzen und Gummi. 1925 präsentierte er sein erstes Ergebnis. Das nur an den Rändern mit Klebstoff beschichtete Trägermaterial aus Krepp-Papier haftete jedoch nicht ausreichend. Drew verbesserte sein Klebeband, indem er das Trägermaterial vollständig beschichtete. Damit war das erste Abdeckklebeband unter dem Markennamen ”Scotch” auf dem Markt.

Technologiefortschritte

Im Jahre 1961 perfektionierte Vorreiter 3M seine Scotch-Klebebänder, die fortan im Laufe der Zeit auch nicht mehr an Klebkraft verloren. Es blieb jedoch das Problem, dass Klebebänder in stark beanspruchten Anwendungen, zum Beispiel bei der Verbindung verschiedener Fügepartner, noch nicht einsetzbar waren. Nach intensiver Forschung gab es im Jahre 1980 aber auch hierfür eine Lösung: die VHB Hochleistungs-Verbindungssysteme (VHB = Verbindungen Höchster Belastbarkeit). Sie überwanden den Nachteil der wesentlich geringeren Festigkeit aller bis dahin bekannten Haftklebebänder im Vergleich mit konventionellen Struktur-Klebstoffen.

Wo bisher für etwa für Montagearbeiten für feste mechanische Verbindungen aufwendige und zeitintensive Fügertechniken wie Schweißen, Löten, Schrauben oder Nieten noch gang und gäbe waren oder mit Struktur-Klebstoff gearbeitet wurde, reicht seitdem in vielen Fällen ein Klebeband. Waren 1945 erst zehn verschiedene Klebebänder mit dem farbigen Schottenmuster als Markenzeichen auf dem Markt, sind es heute schon mehr als 900.

Trotzdem gibt es keinen Stillstand der technischen Entwicklung: Ein aktueller Schwerpunkt der 3M Klebeband-Forschung ist die Funktionalität der Klebebänder: Ziel ist es, parallel zur Festigkeit im Montagebereich unter anderem die thermischen, elektrischen oder auch die optischen Eigenschaften von Klebebändern zu nutzen. Daneben konzentriert sich die Arbeit der Wissenschaftler auf die Entwicklung von Klebebändern, die nicht nur auf Glas, Metall, Keramik oder hochwertigen Kunststoffen haften, sondern auch auf niedrigenergetischen, oft strukturierten Werkstoffen, wie es die meisten modernen Kunststoff-Materialien sind. Neue LSE Klebstoff-Filme (LSE = Low Surface Energy) haben hier sich am Markt bereits in ersten Anwendungen bewährt.

Aufbau Montageklebebänder

Doppelseitige Klebebänder sind, wie der Name schon sagt, auf beiden Seiten selbstklebend ausgerüstet. Der Aufbau ist immer ähnlich: ein Trägermaterial ist beidseitig mit Klebstoff beschichtet, meist eine Seite mit einem Schutzpapier (Liner) abgedeckt. Ausnahmen sind Transferklebebänder, die als reiner Klebstofffilm ohne Träger (Carrier) auskommen oder Bänder, die auf beiden Seiten abgedeckt werden müssen.

Die Basis sind in der Regel Synthese- oder Naturkautschuke, Reinacrylate oder modifizierte Acrylate auf Wasser- oder Lösemittelbasis. Für spezielle Anwendungen kommen aber auch weitere Klebstofftypen infrage. Ebenso wichtig wie der Klebstoff ist die Wahl des Trägermaterials, welches meist aus Vlies, Folie, Schaumstoff oder Gewebe besteht.

Anwendungsbereiche

Doppelseitige Klebebänder (beidseitig wirkende, trägerfreie Klebebänder) werden zu Montagezwecken in der Industrie eingesetzt, unter anderem im Fahrzeug-, Schienenfahrzeug-, Flugzeug- und Schiffbau, in der Elektro- und Elektronikindustrie, im Metallbau und in der Schilderindustrie.

Gerade im automobilen Fahrzeugbau sind doppelseitige Montageklebebänder wahre Alleskönner: Sie fügen nicht nur Baukomponenten unterschiedlichen Materials zusammen. So werden mit ihnen beispielsweise auch Elektronikkomponenten, Zierleisten und Trim-Teile, Spiegel, Embleme und sogar ganze Dachkonstruktionen von Lkw-Aufliegern geklebt. Sie dichten dabei auch ab, gleichen Toleranzen aus, dämpfen gleichzeitig Vibrationen, sorgen für eine gleichmäßige Kraftverteilung und kompensieren thermische Ausdehnungen. Zudem müssten die Außenseiten, wenn z.B. Türbleche verschweißt werden, aus optischen Gründen aufwändig nachgearbeitet werden. Das entfällt bei geklebten Türen. Besonders bei der Verbindung von Leichtbaumaterialien spielen doppelseitige Klebebänder eine zunehmend wichtige Rolle, da sie den neuen Materialmix (z.B. Stahl/Alu/CFK/GFK) überhaupt erst möglich machen.

So finden sich an einem Mercedes Oberklasse-Fahrzeug z. B. neben 5.500 Schweißpunkten heute schon 73 m Klebenähte bzw. Klebeband-Verbindungen. Kleben wurde deswegen von Fraunhofer-Forschern bereits als „Fügetechnik des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet.

Montageklebebänder für den Industrie und Heimbereich

Verbreitet ist auch die Verwendung von Klebebändern zum Anbringen von Leisten und Profilen im Möbelbau oder das selbstklebende Ausrüsten von Schildern, Textilien und Schaumstoffen. Auch im Heimbereich werden die Bänder häufig genutzt, etwa zur Montage von Fuß- und Zierleisten, Bildern, Briefkästen, Hausnummern, Kabelkanälen, Haken, etc. Doppelseitiges Klebeband lässt sich hier meist auf denselben Untergründen einsetzen, wie üblicher Montageklebstoff, also bei glatten Materialien, wie z.B. Kacheln, Fliesen, Spiegeln, Metall, Holz, Stein, Glas und Kunststoff.

Wichtigste Voraussetzung ist, dass die Substrate, die geklebt werden sollen, genügend Haftfläche besitzen. Auch müssen auch die Oberflächen sauber, trocken, staub- und fettfrei sein und das Klebeband sorgfältig auf den Gegenstand geklebt werden. Dabei helfen heute praktische Handabroller, mit denen ein exaktes, punktgenaues Aufbringen des Klebebandes auf dem jeweiligen Untergrund bei gleichbleibender Breite und -Dicke des Klebstoff-Films gelingt.

Die Haftkraft des Klebebands ist im Vergleich zum Klebstoff allerdings geringer:

Klebstoffart Festigkeit Reißdehnung
Flüssigklebstoff 1 ‐ 3 MPa > 200 %
Klebeband~ 0,5 MPa~ 300 %

Quelle: Klebetechnik Dr. Hartwig Lohse e.K.

Dem Montageklebstoff gegenüber jedoch hat das doppelseitige Klebeband den Nutzen, dass es sich von festen Oberflächen restlos entfernen lässt. Für schwere Gegenstände, oder jene mit geringer Befestigungsfläche ist das Montageklebeband allerdings ungeeignet.

Verschiedene Klebebandsysteme für Montageanwendungen

  • Übliche doppelseitige Montageklebebänder, die unter anderem Temperaturen von -35 bis 93°C – auch am Fenster – aushalten, sind UV-beständig und weisen Tragkräfte bis zu 6 kg je 30 cm Bandlänge auf.
  • Auf dem Markt sind auch doppelseitige Acrylatschaum-Klebebänder, die anders als Schaumstoff-Klebebänder aus einem 100-prozentigen Kern aus geschlossenzelligem Acrylatklebstoff bestehen. Dieser ist in der Lage, reichlich Kräfte zu absorbieren und ist somit dauerhaft resistent gegen Zug-, Scher-, Spalt- und Schälkräfte. Ein hochleistungsfähiges VHB Schaumklebeband beispielsweise gewährleistet eine hohe Anfangsklebkraft, gleicht eine unterschiedliche Ausdehnung von Materialien aus und dient als Vibrationsdämpfung – für langlebige und wirtschaftliche Verbindungen.
  • Marktgängig sind auch wiederlösbare doppelseitige Montagebänder, die beidseitig klebend zwar fest auf fast allen festen, glatten oder leicht strukturierten Oberflächen wie Metall, Glas, Fliesen, Keramik, lackiertem Holz, Beton und vielen Kunststoffen halten, sich aber wieder entfernen lassen. Sie sind Insbesondere geeignet für die Klebung von: Wandhaken, Schildern, Hausnummern, Halterungen, Möbelgriffen, Leisten, Bilderrahmen u.v.m.

Tipp: Montageklebeband entfernen

Die Möglichkeit, Klebeband rückstandsfrei zu entfernen, hängt unter anderem vom jeweiligen Untergrund ab. Bisweilen bleiben Klebstoffeste an der Klebestelle zurück. Auf festen Materialien, wie Glas, Fliesen kann man diese mittels Aceton einwandfrei wieder entfernen. Gegebenenfalls hilft auch ein Glasschaber zusammen mit ein paar Tropfen Öl. Falls dies nicht funktionieren sollte, kann es helfen, den Klebstoff mit einem Föhn zu erwärmen und ihn vorsichtig mit einem Spachtel oder einem Schaber vom Untergrund abzuziehen. Darüber hinaus gibt es im Handel aber auch spezielle Lösungsmittel.