Fachinformationen rund um's Kleben von

Industrieklebstoff

Kleben besitzt als Fügetechnik in der Industrie mittlerweile einen hohen Stellenwert und ist heute weit verbreitet. Für jedes Klebeproblem und nahezu jede Materialkombination gibt es inzwischen passende Industriellebstoffe am Markt.

Wirtschaftliche Bedeutung der Industrieklebstoffe

In Deutschland werden jährlich fast 1,4 Millionen Tonnen Kleb-, Dicht- und zementäre Bauklebstoffe sowie zudem fast 1 Milliarde Quadratmeter trägergebundene Klebstoffe (Klebebänder/Klebefolien) produziert und damit ein Gesamtbranchenumsatz von 3,4 Milliarden Euro generiert (Stand 2014). Der weitaus überwiegende Teil davon kommt in industriellen Anwendungen zum Einsatz. Nach Angaben des Industrieverbandes (IVB) Klebeband beträgt die dort durch den Einsatz von Klebetechnik generierte Wertschöpfung – konservativ gerechnet – deutlich über 360 Milliarden Euro. Dieser Betrag entspricht rund 50 % des Beitrages des produzierenden Gewerbes und der Bauwirtschaft zum deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP). Mit anderen Worten: rund 50 % der in Deutschland produzierten Waren und Baudienstleistungen stehen mit Klebstoffen irgendwie in Verbindung!

Wie der IVB Klebeband herausgefunden hat, ist die deutsche Klebstoffindustrie damit weltweite Nummer 1. Mit einem Marktanteil von circa 16 Prozent ist sie Weltmarktführer und auch in Europa mit einem Klebstoffverbrauch von 27 Prozent und einem Klebstoffproduktionsanteil von über 36 Prozent die Nummer 1.

Industrieklebstoffe und Konstruktionsklebstoffe nach Arten

Industrieklebstoffe für eine weite Palette an Substraten ermöglichen die Montage einer Vielzahl von Materialien wie Metall, Glas, Holz oder Kunststoff. Hierzu zählen:

Hochleistungs-Konstruktionsklebungen mit Epoxidharzklebstoffen

2K Epoxidharz Klebstoffe erzielen gute Klebe-Ergebnisse auf einem breiten Material-Spektrum: u.A. von Metall mit Faserverbundbauteilen, Holz und Keramik. Epoxidharz-Klebstoffe weisen hier sehr hohe Festigkeiten und chemische Beständigkeiten auf. „Hart“ eingestellte Klebstoffe erzielen dabei hohe Scherfestigkeiten und sind für statische Belastungen ausgelegt. Ist Ihre Klebverbindung dynamischen oder Schockbelastungen ausgesetzt, dann eignen sich „flexibel“ eingestellte Klebstoffe besser. Die Vorteile der harten und flexiblen Produkte vereinen die „zähelastischen“ Klebstofftypen: also hohe Scherfestigkeit, gute Schälkraft, gute Schlagfestigkeit.

Spray-Klebstoffe: sofort klebend und wirksam

Spray-Klebstoffe sind leicht aufzutragende Industrieklebstoffe, die in Spraydosen geliefert werden. Solche Aerosol-Klebstoffe sind heute vielseitig einsetzbar, z.B. zum Kleben von Papier, Pappe, Textilien, Folien, Filz, Kork, Leder, auf Holz, Metall, Glas, Kunststoff, Gummi, zum Kleben von Isoliermaterialien, Styropor, Schaumstoffen, Dekorationsmaterialien, Schablonen, Etiketten. Diese Klebstoffe sind farblos, schlagen nicht durch, verfärben nicht und verursachen auch bei dünnen Materialien kein „aufwellen“.

Die Sprühdose ist dabei gleichzeitig Transportschutz, Lagerbehälter und Verarbeitungsgerät in einem. Vorteil: Sprühklebstoffe (Aerosole) sind besonders einfach und praktisch in der Handhabung, denn sie lassen sich ohne zusätzliche Hilfsmittel auftragen. So entfällt das nachträgliche Reinigen von Pinsel, oder Rakel – das spart Zeit und senkt die Kosten.

Bei einseitigem Auftrag: wiederlösbare Klebeverbindung
Bei beidseitigem Auftrag: dauerhafte Verbindung

Anwendungsgebiete:

  • Fixierung z.B. von Schablonen, Werbetafeln, Postern, Fotos, Dekorationen im Messebau
  • Papier, Pappe und Folien können mit- und untereinander verklebt werden

Sprühbare Industrieklebstoffe auf Wasserbasis

Sprühbare Klebstoffe auf Wasserbasis verfestigen sich erst durch Verdunsten des Wassers. Diese sogenannten Dispersionsklebstoffe sind als Acrylatklebstoffe und als Polychloropren-Klebstoffe erhältlich. Da die Produkte einen hohen Festkörperanteil besitzen, sind Dispersionsklebstoffe sehr ergiebig und nach dem Fügen besteht gute Wasserbeständigkeit. Klebstoffe auf Wasserbasis verbinden unterschiedlichste Werkstoffe wie z. B. Holz, Papier, Pappe, Kork, Leder, Filz, Textilien, Gummi, Kunst- und Schaumstoffe, Styropor, Glas, Keramik und beschichtete Metalle. Sie werden u.a. bei der Herstellung von Möbeln eingesetzt (Spanplatten, Formholz, MDF, Sperrholz, Schaumstoffisolierung).

Kleben von Möbeln und Polsterungen

Auch die verbreiteten reaktiven PUR-Schmelzklebstoffe – lösemittelfreie, feuchtigkeitsvernetzende Klebstoffe mit 100 % Festkörperanteil – ermöglichen eine leistungsfähige und schnelle Montage von Holz, Metall und Glas für Möbel und Dekoartikel. Diese kleben aber auch Kunststoffe z. B. mit Gummi, Leder, Glas und Metallen hochfest. Je nach Viskosität realisiert man damit sehr dünne Klebfugen oder spaltfüllende Klebungen.

Nach der Schmelzextrusion bildet der erkaltete Klebstoff eine haltbare und starke Verbindung. Die reaktiven PUR-Schmelzklebstoffe zeichnen sich durch schnellen Festigkeitsaufbau und eine hohe konstruktive Endfestigkeit aus.

Acrylat-Konstruktionsklebstoffe

Aktuell sind neuartige 2K Acrylat-Klebstoffe, wie etwa von 3M auf den Markt gekommen, die die Mängel bisheriger Acrylat-Klebstoffe beseitigen – dazu gehören:

  • intensiver und strenger Geruch
  • längere Aushärtezeiten – einhergehend mit Verzögerungen im Produktionsprozess
  • geringere Schlagfestigkeit (wodurch die Verklebung spröde werden kann)
  • begrenzte Haltbarkeit.

So härtet der neu entwickelte 2K Acrylat-Kleber nun sehr schnell aus und entfaltet seine Scherfestigkeit von 6,9 MPa schon in weniger als neun Minuten. Damit härtet er fast doppelt so schnell aus wie herkömmliche Acrylat-Klebstoffe. Zudem wurde die Schlagfestigkeit des lösemittelfreien Klebstoffes verbessert: Er ist über dreimal schlagfester als bisherige Acrylat-Klebstoffe, findet nicht nur auf verschmutzten oder leicht öligen Oberflächen Anwendung und strahlt nur noch eine sehr geringe Geruchsbelästigung aus, was ein komfortableres Arbeiten ermöglicht.

Methacrylat Klebstoff bzw. MMA Kleber zählen ebenso zur Gruppe der Acrylat-Klebstoffe und werden z.B. zum schlagzähen Edelstahl kleben eingesetzt. Das nicht ganz leichte Kleben von Polyolefinen und Kunststoffen mit niedriger Oberflächenenergie wie z.B. Polyethylen und Polypropylen gelingt ebenfalls mit speziellen Acrylatklebstoffe und dies sogar ohne die sonst meist notwendige Oberflächenvorbehandlung bzw. Primerung.

Kleben von hochtransparenten Kunststoffen

In der Industrie stellt sich häufig die Aufgabe, transparentes Material wie etwa Plexiglas zu kleben. Auch hier gibt es inzwischen Acrylatklebstoffe, mit denen sich auch bei Verbindungen aus durchscheinenden Materialien eine umwerfende Optik erzielen lässt. Mit diesem Industrieklebstoff können sogar dünne Kratzer im Kunststoff aufgefüllt werden, um etwa die Ästhetik von Werbeanzeigen oder -Schilder wiederherzustellen.