Fachinformationen rund um's Kleben von

Industrieklebeband

Das passende Klebeband für die Industrie

Hochleistungsklebebänder finden aufgrund ihrer leichten Verarbeitbarkeit sowie ihrer Qualitäts-Eigenschaften häufig Einsatz im Fahrzeug-, Metallbau oder in der Bauindustrie. Das Plus: Für (nahezu) jeden Anwendungsfall ist das speziell geeignete Material verfügbar.

1923 erfuhr Richard G. Drew, Ingenieur bei 3M, von einem Problem in der Automobilproduktion von Henry Ford, fertiggestellte Teile bei zweifarbigen Autolackierungen abzudecken. Zwei Jahre lang experimentierte er unter anderem mit pflanzlichen Ölen, Harzen und Gummi, bevor er schließlich mit Klebstoff beschichtetes Trägermaterial aus Krepp-Papier ersann. Fünf Jahre später erfand er das erste transparente Klebeband. Gedacht war es für den Verschluss von Cellophan-Verpackungen.

Heute sind Klebebänder gerade aus der industriellen Nutzung nicht mehr weg zu denken. Industrieklebebänder bestehen aus ein- oder doppelseitig mit Haftklebstoff beschichteten, streifenförmigen, flexiblen Trägermaterialien aus:

  • Papier
  • Metall
  • Textilgewebe (Zellwolle, Baumwolle, Polyamid oder Glasfasern)
  • Folie (PVC, Hydrat-Cellulose, Polyester, Polypropylen, Polyethylen, Schaumstoffe (Polyurethan Polyethylen)
  • Vlies oder
  • Laminat.

In der Industrie werden auch trägerfreie Haftklebstofffilme, sogenannte Transferklebebänder, eingesetzt, welche beidseitig mit einem präparierten Schutzpapier abgedeckt sind.

Die Haftklebstoff-Schicht eines Bandes, die bis zum Gebrauch durch Abdeckmaterialien geschützt ist, besteht i.d.R. aus:

  • Acrylat (lösungsmittelfrei und somit umweltfreundlich)
  • Reinacrylat (Temperaturbeständig, alterungsbeständig, UV-beständig, beständig gegen Chemikalien)
  • Modifizierte Acrylate. Ein modifiziertes Polyacrylat wird mit einem weiteren Monomer polymerisiert, so dass ein Copolymer entsteht. Es wird durch Zusätze, im Wesentlichen Harze, auf spezielle Klebeeigenschaften eingestellt. (Temperaturbeständig gegen Chemikalien; auch für Permanentverklebungen auf kritischen Untergründen)
  • Silikon (Extrem temperatur- und alterungsbeständig; für Verklebungen auf antiadhäsiven Untergründen, wie z.B. Silikon) oder
  • Kautschuk (Gute Anfangsklebkraft, Ablösbarkeit möglich, gute Verklebungsfestigkeit auf kritischen Untergründen, wie z.B. PP oder PE)

Grundsätzlich unterscheidet man lösungsmittelhaltige und lösungsmittelfreie Haftkleber:

  • Bei den lösungsmittelhaltigen Haftklebern härtet der Klebstoff nach dem Verdunsten des Lösungsmittels aus.
  • Die lösungsmittelfreien Haftkleber können sogenannte Dispersionshaftkleber sein. Hier liegen beispielsweise Kunstharzteilchen dispergiert (fein verteilt) in Wasser vor. Nach dem Verdunsten des Wassers härten die Polymere, die meist auf der Basis von Polyvinylacetat oder Polyacrylat aufgebaut sind, aus. Dabei verbinden sich die einzelnen Teilchen miteinander und bilden einen Klebstofffilm. Zu den lösungsmittelfreien Haftklebern gehören jedoch auch UV-aushärtende Polyacrylate. Diese besitzen aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften eine Dauerklebrigkeit, die auch nach dem Verkleben nicht verschwindet. Die Grundlage für die UV-aushärtende Klebetechnologie bildet keine Lösung oder Dispersion, sondern ein Monomer – eine Flüssigkeit, die durch Einwirkung von UV-Strahlung polymerisiert. Im Falle der Polyacrylate besteht das Monomer aus einem Ester der Acrylsäure. Trifft auf diesen Acrylsäureester UV-Strahlung, kommt es zur Ausbildung von Photoradikalen, die sehr reaktionsfähig sind. Die Radikale verbinden sich sofort miteinander und erzeugen so das Polymer (hier Polyacrylat), welches hervorragende Klebeeigenschaften besitzt.

Verbreitete Arten von Industrieklebebändern

Transferklebebänder

Transferklebebänder bestehen je nach Anwendung aus einem bestimmten Polyacrylat-Klebefilm, der beidseitig mit silikonisiertem oder gewachstem Schutzpapier bedeckt ist. Der Transferklebefilm ist besonders für laminierte oder kaschierte Hochleistungsklebeverbindungen geeignet. Sie halten hohe Scherkräfte bei extrem hohen Klebekräften aus. Das Transferband ist sehr anpassungsfähig und kann auch Fugen ausgleichen.

Acrylatschaumklebeband

Die in der Industrienutzung häufig verbreiteten Acrylatschaumklebebänder besitzen besonders gute viskoelastische Eigenschaften. Die Basis hierfür stellt der selbstklebende Acrylatschaum-Kern dar, der je nach Anforderung mit einem Zusatz-Klebstoff-Film versehen ist. Dieser besondere Aufbau des Acrylatschaum-Klebebandes ermöglicht es, dass das Klebeband in die zu klebende Oberfläche einfließt und eine physikalische Wechselwirkung mit dem Substrat eingeht. Dabei härtet es nicht aus, sondern bleibt flexibel und baut eine 100%ige Benetzung auf. Dabei härtet der Schaum nicht aus und bleibt deshalb flexibel.

Die Sandwich-Konstruktion ist beliebig kombinierbar. Sie ermöglicht es den Acrylatschaum-Klebebändern, weiterhin Energie aufzunehmen und Stress zu kompensieren. Außerdem bewirken sie sehr starke Klebeverbindungen. Sie sind sehr elastisch und können bis zu 50 Prozent gedehnt werden, ohne zu reißen oder sich ablösen. Die Grundlage für diese Eigenschaften bildet der selbstklebende Acrylatschaum.

Schaumstoff-Klebebänder

Während Acrylatschaum-Klebebänder durch und durch aus Klebstoff bestehen, ist bei den Schaumstoff-Klebebänder lediglich ein dünner Klebstoff-Film auf der Ober- und Unterseite vorhanden. Schaumklebeband gewährleistet eine hohe Anfangsklebkraft, gleicht eine unterschiedliche Ausdehnung von Materialien gut aus und dient als Vibrationsdämpfung.

Doppelseitige Klebebänder

Die doppelseitigen Klebebänder bestehen aus beidseitig beschichteten Trägermaterialien, die aus den unterschiedlichsten Werkstoffen, wie beispielsweise PP oder PET-Folien, hergestellt werden. Es sind auch doppelseitige Acrylatschaum-Klebebänder (auch Acrylic Foam oder Acrylic Bond genannt) auf dem Markt mit viskoelastischen sowie besonders guten Hafteigenschaften auf einer Vielzahl von Untergründen.

Wiederlösbare Klebebänder

Wiederlösbare Klebebänder entfalten eine weniger starke Klebkraft, sodass eine Ablösung des Klebebandes möglich ist. Der Acrylat-Klebstoff ist vollständig und ohne Rückstände entfernbar.

Die Auswahl des passenden Klebebandes richtet sich nach den Anforderungen an:

  • Klebkraft
  • Klebedauer
  • Klebemasse
  • Anfangsklebkraft
  • Thermischer Leitfähigkeit
  • UV- Beständigkeit
  • Reißkraft
  • Hitzebeständigkeit
  • Reißdehnung
  • Umweltverträglichkeit
  • Geräuschpegel
  • Festigkeit
  • Entfernbarkeit
  • Witterungsbeständigkeit
  • Chemischer Beständigkeit

Vorteile von Klebeband gegenüber klassischen Fügeverfahren

  • Klebebänder sorgen für eine gleichmäßige Kraftverteilung über die gesamte Klebefläche (keine Spannungsspitzen, wie bei Schrauben und Nieten)
  • Die Oberfläche bleibt unverändert
  • Bauteiltoleranzen werden ausgeglichen
  • Vibrationsdämpfende Verbindungen
  • Bessere Kompensation thermischer Ausdehnungen
  • Gute Dichtfunktion (Schutz vor Eindringen von Schmutz und Feuchte)

Anwendungsbereiche – Schluss mit Schrauben, Nieten oder Klipsen

Industrieklebebänder kommen aufgrund ihrer flexiben, auf nahezu jeden Anwendungsfall abgestimmten Eigenschaften, mittlerweile in fast allen gewerblichen Bereichen zum Einsatz:

  • Fahrzeugbranche
    Vor etwa 25 Jahren begann im Automobilbau die Erfolgsgeschichte von geklebten Türdichtungen. Heute befinden sich durchschnittlich bis zu fünfzehn Liter Klebstoff in einem PKW. Dazu zählen hauptsächlich Verbindungen mit Acrylatschaumklebebändern. Ihre Anwendungsfelder erstecken sich etwa im Montagebereich zum Fügen von Karosserieanbauteilen über Zierleisten, Spiegel, Embleme, Antennen oder Dachhimmel bis hin zur Abdeckung bei industriellen Lackiervorgängen, wo sie hohe Temperaturen aushalten und später wieder rückstandsfrei entfernt werden können. Weiterer Vorteil: Klebebänder sind manuell und automatisiert verarbeitbar.
  • Bauindustrie
    Acrylatschaumklebebänder dienen hier etwa der unsichtbaren Befestigung von Außenwandverkleidungen ohne störende Schweißnaht bzw. Schrauben- oder Nietköpfe. So gibt es inzwischen in Europa nach ETA-10/0149 zugelassene Klebebandprodukte für Metall-Fassadenelemente. Auch das Kleben von Glas, zum Beispiel von Glasfassaden, ist möglich. Zugleich können unterschiedliche Materialien (Aluminium, Stahl, Compositwerkstoffe) problemlos verbunden werden. Gute Hochleistungsklebebänder halten weit länger als 30 Jahre sehr gut, auch in klimatisch anspruchsvollen Umgebungen, z.B. an Fassaden in Hochhäusern tropischer Städte.
  • Metallbau
    Zum Anbringen von Verkleidungen, Versteifungen, Winkeln auf Blechen oder Verbundplatten. Für diesen Sektor sind auch Polyester-Klebebänder mit Silikonklebstoff für Hochtemperatur-Anwendungen (durchschnittlich 2000 C) auf dem Markt, die z.B. vor oder nach der Pulverbeschichtung verwendet werden können.
  • Die weiteren Einsatzbereiche von Industrieklebebändern reichen vom Kleben von Leisten und Profilen im Möbelbau über das selbstklebende Ausrüsten von Schildern, Textilien und Schaumstoffen bis hin zum Befestigen von Werbeanzeigen am Verkaufsort.