Fachinformationen rund um's Kleben von

Gipskartonplatten kleben

Gipskartonplatten sind im Trockenbau und auch für den Dachgeschossausbau recht weit verbreitet. Kleben statt verputzen lautet hier die wirtschaftliche und praktische Alternative. Zum Einsatz kommen dabei auf den überwiegend mineralischen Untergründen in erster Linie die typischen Baustoffprodukte. Für andere Untergründe gibt es spezielle Klebelösungen.

Kleine Materialkunde Gipskarton

Bei Gipskarton, auch als Gipsplatten, Gipsbauplatten oder Gipskartonplatten geläufig, handelt es sich um einen Baustoff aus Gips, der auf beiden Seiten mit einem Kartonage-Bezug versehen ist. Erst dieser verleiht den Platten ihre Stabilität.

Technische Eigenschaften

Rohdichte ρ zwischen 600 und 650 kg/m³
Flächengewicht ≥ 8,5 kg/m²
E-Modul 2.500 N/mm²

Geschichte

Gipsplatten wurden bereits Ende des 19. Jahrhunderts von Augustine Sackett in den USA patentiert. Die erste industrielle Fertigung erfolgte ab 1910. Im deutschsprachigen Raum ist oft auch noch die Bezeichnung Rigipsplatte geläufig, weil die ersten Gipskartonplatten in Europa Ende der 1930er-Jahre in Riga produziert wurden („Rigaer Gips“). Der daraus entstandene Markenname ist der mittlerweile zum generalisierten Produktnamen avanciert (jetzt: Saint-Gobain Rigips GmbH). Hierzulande entwickelte sich die sog. Rigips-Platte nach dem Krieg zu einem gefragten Produkt für den Innenausbau. Geläufig sind daneben heute auch noch die Produktbezeichnungen Gipsfaserplatten, Fermacellplatten, Ausbauplatte oder Trockenbauplatten sowie die Markennamen:

  • Saint-Gobain Rigips
  • Danogips
  • Knauf Gips
  • Vogl Deckensysteme
  • Gypsys (Niederlande)

Herstellung

Für Gipsplatten werden entweder im Bergbau gewonnene Naturgipse eingesetzt oder so genannte REA-Gipse aus Braunkohlekraftwerken, bei denen diese als Nebenprodukt anfallen.

Einsatzbereiche

Gipskartonplatten werden vor allem zur Errichtung von nichttragenden, leichten Innenwänden, Dachschrägenverkleidungen, abgehängten Decken sowie Trockenestrichen verwendet, da damit im Vergleich zum Massivbau ein geringerer Flächenverbrauch einher geht, und dies bei gleichzeitig hohen Feuerwiderstand. Anwendung finden die vielseitigen Platten auch als sogenannter Trockenputz. Entweder werden hier die Gipskartonplatten mit gipsgebundenem Ansetzbinder (gipsbasierter Klebstoff/Fliesenklebstoff) unmittelbar auf die Rohwand verklebt oder mit Hilfe einer Unterkonstruktion befestigt.

Wegen seiner unzureichenden Wasser-/Feuchtebeständigkeit sollte man Gipskarton lediglich  im Innenausbau einsetzen. Für Feuchtraum-Anwendungen gibt es im Handel aber speziell imprägnierte Platten, die mit GKFI bzw. GKBI bezeichnet werden. Diese sind zur Unterscheidung stets grün gefärbt. Außerdem sind für den Brandschutz spezielle feuerhemmende Platten (GK-F) im Handel.

Generell ist es empfehlenswert, Anschlüsse und Fugen zu anderen festen Bauteilen und Untergründen akustisch mittels dünner Mineralwoll-, Schaumstoff- oder Filzstreifen zu entkoppeln.

Gipskarton aufkleben statt verputzen

Eine Alternative zum Verputzen von Wänden ist das Verkleben von Gipskartonplatten mit Ansetzbinder: eine anwendungsfertige Gipsmischung, die in erster Linie für das Ankleben von Gipskartonplatten entwickelt wurde.

Ob man die Gipsplatten besser verklebt oder verschraubt, muss aus dem Zustand sowie der Lage der Wand ableiten. Feuchtigkeit oder eine sehr poröse Wand bedeuten meist keine guten Voraussetzungen für das Kleben von Gipskarton.

10 - Schritt - Anleitung: Gipskartonplatten auf Mauerwerk kleben

  1. Risse im Untergrund sind vorher gut zu verschließen. Stark saugendes oder leicht poröses Mauerwerk sollte vor dem Kleben zudem mittels Tiefengrund gefestigt werden.
  2. Bevor der Klebstoff angerührt wird, sollten die Platten fertig zugeschnitten werden. Dazu wird die obere Kartonschicht mit einem Cuttermesser entlang eines Anschlageisens durchtrennt. Dann lässt sich der Gipskern der Platte einfach nach hinten über eine scharfe Kante brechen. Die rückseitige Kartonschicht wird anschließend ebenfalls durchtrennt. Dabei auf Vorder- und Rückseite achten: Die abgerundeten Kanten bilden die Vorderseite, die später verspachtelt wird.
  3. Profitipp: Da die Frontseite der Kante dort, wo sie geschnitten wurde, jetzt nicht mehr rund ist, sollte die Schnittkante mit einem Cuttermesser bzw. Zugeisen leicht angeschrägt werden.
  4. Zunächst Wasser in einen Anrühr-Eimer geben, das Gipspulver danach in das Wasser streuen. Nicht zu viel Ansetzbinder auf einmal anrühren. Anschließend ein paar Minuten ein wenig „einsumpfen“ lassen.
  5. Optimal ist die Ansetzbinder-Mischung, wenn sie eine cremige Konsistenz hat, aber sie darf dabei nicht tropfen. Denn ist der Klebstoff zu flüssig, würde die Gipsplatte die Feuchtigkeit aufsaugen. Die Folge: Die Kartonbeschichtung könnte sich aufwellen und anschließend lösen. Wenn der Klebstoff allerdings zu trocken ist, wäre die Verbindung zwischen Platte und Wand nicht stabil genug.
  6. Eine vollflächige Verklebung der Platten ist nicht notwendig. Daher den angerührten Ansetzbinder materialsparend als Batzen im Abstand zwischen 30 und 40 Zentimetern mit einer Kelle auf der Plattenrückseite auftragen. Die Batzen mit etwa fünf Zentimetern Abstand zum Rand kleben. Bei einer Einmannplatte, die sich gut alleine verarbeiten lässt, sollte man mit dicken Klecksen arbeiten. Anschließend die Gipsplatte einen kurzen Moment anpressen.
  7. Profitipp: Da im Neubau meist deutlich ebenere Wände anzutreffen sind, können die Klebstoff-Batzen kleiner ausfallen, so dass sich der Abstand der Platten zur Wand verringert.
  8. Kreuzfugen sollten beim Verlegen der Gipskartonplatten vermieden werden, daher die Platten in versetzt liegenden Reihen anbringen.
  9. Mit dem Verlegen der Platten an der unteren Wand beginnen. Kleine Holzklötzchen als Abstandshalter zum Boden verwenden. Sofort nach dem Festdrücken der Gipskartonplatten mit einer Wasserwaage die Ausrichtung kontrollieren. Die Platten müssen absolut gerade seien.
  10. Abschließend die Fugen zwischen den Platten mittels Spachtelmasse zu einer ebenen  Oberfläche verspachteln. Spachtelgrate nach dem Trocknen mit einem motorgetriebenen Schleifteller abschleifen. Dabei empfiehlt sich ein Staubschutz für Augen und Atmung. Handschuhe vermeiden eine Entfettung der Haut aufgrund des Gipsstaubes. Am Ende wird so aus einer vormals unebenen Altbau-Wand eine vollkommen glatte Fläche. Anschlüsse zu angrenzenden Bauelementen sowie Übergänge von Wand Decke noch mit dauerelastischer Acryl-Fugenmasse verfugen.

Gegen das Kleben würde jedoch sprechen:

  1. Feuchtigkeit in der Wand
  2. schiefe bzw. unebene Wand
  3. poröse Oberfläche der Wand
  4. Dämmung der (Außen-)Wand erforderlich

In diesen Fällen, müsste mit einer Unterbaukonstruktion gearbeitet werden.

Besonderheit beim Dachgeschossausbau

Gipsplatten bis 20 mm Stärke wegen unterschiedlicher Wärmeausdehnung nicht direkt von unten an den hölzernen Sparren festmachen. Hier ebenfalls stattdessen auf eine Unterkonstruktion aus Metall-Profilen oder Holz aufsetzen.

Gipskarton- und Gipsfasermatten auf weitere Untergründe kleben:

Gipskarton auf Holz (roh, grundiert, lackiert, beschichtet) kleben oder auf Isolierhartschaum aus EPS, XPS mit pastösem, fugenfüllenden 2-K-PUR-Klebstoff oder schnellem, flüssigen, ergiebigen 1-K-PUR-Klebstoff (PU-Leim).

• Gipskarton mit Isolierstoffen kleben: Hier geht es um die Kaschierung von diversen Isolierstoffen auf Bauplatten aus Gipsmaterialien. Für diese überwiegend großflächigen Arbeiten werden Klebstoffe benötigt, die eine ausreichend lange Verarbeitungszeit ermöglichen. Für Klebstoffe, die über keine Anfangshaftung verfügen, müssen die Teile bis zur Aushärtung fixiert bleiben.

Gipskarton mit Metallen (blank) verkleben: Metallbleche sind gut zu entfetten. Bevorzugt werden solche Bauteile liegend verklebt. Dies vereinfacht eine Fixierung bis zur Klebstoff-Aushärtung. An senkrechten Flächen lassen sich Verklebungen nur mit Kontakt-Klebstoffen durchführen, die über eine hohe Anfangsfestigkeit verfügen, z. B. mit 2K Epoxidharzklebstoffen für schnelle, belastbare Klebungen.

Gipskarton mit Stein, Granit, Marmor, Beton verkleben: Hier werden normalerweise typische Baustoff-Produkte verwendet (s. o.). In speziellen Fällen, wenn diese den speziellen Anforderungen nicht gerecht werden, funktionieren auch 1-K-PUR-Klebstoff (PU-Leim), dünnflüssiger 1-K-PUR-Klebstoff oder dickflüssiger, zähelastischer 2-K Epoxidharzklebstoff mit langer Verarbeitungszeit.

Gipskarton mit Kunststoff (duroplastisch) kleben: Hier kommen ebenfalls pastöse, fugenfüllende 2-K-PUR-Klebstoffe in Frage, oder aber zähelastische, dickflüssige 2-K Epoxidharzklebstoffe.

• Gipskarton- und Gipsfasermatten mit Keramik, Porzellan, Ton verkleben: Cyanacrylatklebstoff als Gel verwenden, dieser ist nicht ablaufend und für senkrechte Flächen sowie saugende Untergründe geeignet.