Fachinformationen rund um's Kleben von

Leder kleben

Die Schuh-, Bekleidungs- sowie Möbelbranche sind mit ihren Erzeugnissen Hauptabnehmer von Ledermaterialien. Dort ist das Kleben des beliebten und strapazierfähigen Werkstoffes eine verbreitete sowie bewährte Verbindungstechnik. Heute gibt es für nahezu jeden erdenklichen Untergrund und Einsatzzweck die passenden Klebstoffe.

Kleine Materialkunde Leder

Leder ist eine durch Gerbung chemisch haltbar gemachte Tierhaut (meist vom Rind, Ross, Büffel oder Schwein), deren natürliche Faserstruktur weitgehend erhalten ist. Sie gliedert sich in die nach außen liegende feinere Papillarschicht, die der Lederoberfläche ihr glattes Aussehen gibt. Darunter liegt die für die mechanische Festigkeit maßgebende grobfasrige Retikularschicht. Leder zeichnet sich durch seine geschmeidigen, zähen, relativ festen, haltbaren und vielseitigen Eigenschaften aus. Es ist relativ undurchlässig für Wasser, trotzdem ist es atmungsaktiv, d. h. ausreichend durchlässig für Luft und Wasserdampf. Zahlreiche Verwendung findet das strapazierfähige Material u.a. für Schuhe, Kleidung, Gürtel, Handtaschen, Textilien, Sitzmöbel wie Sofas oder Autositze.

Fachgerechtes Kleben von Leder

Der volumenmäßig größte Abnehmer Leder-Klebstoffen sind zweifellos Schuhindustrie und -handwerk, daneben aber auch die Möbelbranche. Leder zu kleben ist hier eine verbreitete Verbindungstechnik.

Grundsätzlich ist ein breites Spektrum an Klebstoffen für Leder geeignet. Deren Auswahl richtet sich jedoch nach dem jeweiligen Untergrund und Einsatzzweck.

Leder ist von Hause aus elastisch und flexibel, was bedeutet, dass wenn Leder mit Leder bzw. mit einem gleichartigen Stoff geklebt werden soll, auch der Klebstoff elastisch bleiben muss. D.h. Möbel- und Bekleidungsleder sind also stets flexibel zu kleben. Harte Klebstoffe hingegen, ebenso wie Sekundenkleber, sind nur dann geeignet, wenn Leder auf einen harten Untergrund, wie etwa Holz oder Metall aufgeklebt werden soll. Leder mit Leder sollte also niemals mit Sekundenkleber geklebt werden.

Doch oftmals reagiert das natürliche Material bedingt durch seine spezifische Zusammensetzung hinsichtlich der enthaltenen Fette oder Gerbsäuren unterschiedlich stark auf den verwendeten Klebstoff. Vor der Anwendung ist es daher erforderlich, das Material kleinflächig hinsichtlich Verfärbung beim Kleberkontakt zu prüfen.

Anforderungen an einen guten Lederklebstoff

1.) Die Klebung muss nach Ausreaktion immer noch flexibel sein – besonders wichtig für bewegliche Teile wie z. B. Bekleidung.

2.)  Der Klebstoff darf auch langfristig nicht nach oben durchschlagen, was sich negativ auf die Optik auswirken würde.

Kontaktklebstoff ist besonders geeignet für flächige Verklebungen flexibler Materialien wie Leder (z. B. mit Schuhsohlen). Solche Materialien sind nämlich oft kaum durchlässig für das Lösungsmittel. Deshalb muss das Lösungsmittel schon vor dem Zusammenfügen der Teile abdampfen oder ablüften können. (Faustregel: Wartezeit eine viertel Stunde, bis sich die Oberfläche gerade nicht mehr klebrig anfühlt. Dann mit einer Kraft von circa 50 Newton je Quadratzentimeter, also etwa 5 kg, zusammenpressen)

Kleben auf Knopfdruck – Sprühklebstoffe eignen sich nahezu perfekt zum kleben von Leder; entweder mit sich selbst oder auf festen Untergründen wie Holz oder Metall. Der Klebstoff wird einfach aus der Aerosoldose aufgetragen ohne Hilfsmittel wie Pinsel, Rakel etc. Am Markt sind Sprühklebstoffe auf Basis synthetischer Elastomere (Polychloropren) wie etwa 3M Scotch-Weld 80, die sich durch eine kurze Ablüftzeit bei langer Klebspanne auszeichnen.

Lösemittelklebstoffe verbinden, als so genannte „Alleskleber“, Leder mit unterschiedlichsten Materialien wie Metallen, Kunststoffen, Gummi. Allerdings sollte bei farbigem Leder zuvor unbedingt getestet werden, ob der Klebstoff die Lederfarbe verändert. Denn lösungs-mittelhaltige Klebstoffe können unter Umständen durch das Leder „durchschlagen“ und eventuell als hässliche Flecken zurückbleiben. Ein Problem, das vor allem bei dünnem, durchgefärbtem Leder auftritt, wie z.B. Rau- oder Anilinleder.

Kleben ohne Lösemittel

Dispersionsklebstoffe auf Basis von Acrylat und Polychloropren besitzen ähnliche Merkmale und Einsatzfelder wie Klebstoffe auf Lösemittelbasis, allerdings sind die Klebstoffe in Wasser dispergiert. Die Ablüftzeit kann meist durch Wärme (Infrarot, Warmluft) verkürzt werden. Zu dieser Gattung zählt beispielsweise der Dispersionsklebstoff 30 auf Polychloroprenbasis aus der Scotch-Weld-Reihe von 3M, der über eine gute Wasserbeständigkeit sowie eine hohe Flexibilität verfügt. Dispersionsklebstoffe auf Grundlage von Kunststoffpolymeren eignen sich etwa für Klebungen im Schuhinnenbereich.

Anwendungsbeispiele:

So erfolgt das Kleben von Laufsohlen beispielsweise auf den Schuhschaft in der Regel mittels Dispersions- oder auch Lösemittel-Klebstoffen auf Polyurethan- oder Polychloropren- Basis. Letztere werden meist nach dem Kontaktklebverfahren appliziert, aber auch nach dem Wärmeaktivierverfahren angewendet. Nach dieser Methode lassen sich auch 2K-Polychloropren- oder Polyurethan-Klebstoffe mit Spezialpolyisocyanate als Zweitkomponente verwenden – besonders dann, wenn am Sohlenwerkstoff eine besonders hohe Adhäsion notwendig ist.

Kunststoff-Klebstoff auf Nitrilkautschukbasis eignet sich hervorragend zum Kleben von Dekorfolien in Verbindung mit Leder. Die höchste Festigkeit wird nach Hitzeaktivierung erreicht. Zu nennen ist hier etwa 3M Scotch-Weld 1099.

Cyanacrylatklebstoffe (Sekundenkleber) sind ebenfalls zum Verbinden von Ledermaterial mit harten Untergründen wie Holz, Metall oder festen Kunststoffen geeignet.

Doppelseitige Klebebänder mit dünnem Träger bzw. Klebstoff-Filme ohne Träger

Selbstklebende Klebebänder, Folien- bzw. Filmmaterialien etc. eignen sich vor allem zum Verbinden bzw. Laminieren von flächigem Ledermaterial auf festen Untergründen wie Metall, Holz, Kunststoff. Die Bauteilgeometrie ändert sich dabei kaum. Manche Produkte, wie etwa die Klebstoff-Filme aus dem 3M Programm sind nur 0,025 bis 0,13 Millimeter dünn. In ihren Leistungsmerkmalen unterscheiden sich die Klebstoffformulierungen – stark/schwach klebend – dabei auf den zwei Seiten des Trägermaterials allerdings aufgrund ihres chemischen Aufbaus:

  • Acrylat
    Merkmale: hervorragende Endklebkraft bei überaus hoher Alterungs-, UV- Temperatur- sowie chemischer Beständigkeit.
  • Modifizierte Acrylate
    Merkmale: wie bei Acrylat, allerdings bessere Adhäsion auf niederenergetischen Materialien wie Leder sowie bessere Soforthaftung.
  • Synthese-Kautschuk / Gummi-Harz (Doppelseitige Klebebänder mit dünnem Träger)
    Merkmale: ausgezeichnete Soforthaftung verbunden mit guter Scherfestigkeit auf den meisten Materialien mit niederenergetischen Oberflächen (PP, PE)

Leder kleben statt nähen

Gerade im Bekleidungsbereich oder in der Schuhindustrie ist das Nähen von Leder verbreitet. Für dickes Leder gibt es meist spezielle Ledernadeln für die Nähmaschine. Dünnes Leder lässt sich sogar mit normalen Nadeln der Stärke 80 – 90 nähen. Nahtzugaben und Säume von Leder werden oft aber auch anschließende geklebt. Nahtzugaben brauchen dabei nicht versäubert werden.

Profitipps für den Privathaushalt

Schuhe richtig reparieren

Generell gilt: Reparaturen an Schuhen lassen sich mit geeigneten Klebstoffen häufig selbst durchführen. In der Regel wird ein Klebstoff benötigt, der wasserfest ist. Besonders beim Kleben von Schuhwerk kommt regelmäßig die Schwierigkeit mit Schweiß und Wärme dazu. Hierfür muss sich ein Klebstoff bei Lederschuhen in jedem Falle eignen. Üblicher Alleskleber reicht dafür meist nicht.

Vorgehen: Zunächst das Schuhwerk gründlich säubern sowie trocknen lassen. Geeigneten Klebstoff (s.o.) auftragen. Anschließend rund zehn Minuten warten, bis das Lösemittel verflüchtigt ist. Dann prüfen, ob ein Klebefilm auf den Flächen entstanden ist. Dazu den Test mit einer Fingerspitze machen und leicht auf die Klebemasse tippen, die jetzt nicht mehr am Finger haften bleiben darf. Anderenfalls ein paar Minuten warten. Dann erst beide Klebeflächen passgenau und kraftvoll zusammen pressen. Die endgültige Haftfestigkeit des Klebstoffes tritt in der Regel nach einem Tag ein. Da Verfärbungen beim Kleben von Leder möglich sind, empfiehlt es sich, den Klebstoff zunächst auf einer kleinen Lederfläche randseits zu testen.

Wichtig: Sohlen müssen vor dem Kleben chemisch aufgeraut werden. Dabei auf Frischluftzufuhr achten!

Sofa reparieren

Wenn sich am Sofa nach längerer Nutzungszeit mal Nähte lösen, lassen sich die abgelösten Lederstellen meist recht simpel wieder ans Sofa ankleben. Die Klebestelle muss dazu jedoch trocken, sauber und fettfrei sein. Offene Stelle jedoch nur soweit zusammenziehen, dass keine Falten im Leder entstehen. Dann nur eine Seite mit Sekundenkleber bestreichen. Je weniger Klebstoff aufgetragen wird, desto stärker ist letztlich die Verklebung. Andrücken ca. 10-80 Sekunden je nach verwendeter Klebstoffmenge.

Dabei beachten: Bei sehr dünnen Lederbezügen neigt der Klebstoff dazu, in die Fasern des Leders einzuziehen und das Leder zu verfärben.