Fachinformationen rund um's Kleben von

Lackiertes Material kleben

Wird etwa lackiertes Metall oder lackiertes Holz geklebt, so verklebt man nicht das Metall bzw. Holz, sondern bloß den Lack mit der betreffenden zweiten Klebeoberfläche. Dazu muss der Lack jedoch sicher und fest haften. Generell gilt, dass ein hier eingesetzter Klebstoff sowohl eine Klebeeigenschaft zur Kunststoffart des verwendeten Lacks, als auch zu der Oberfläche des zweiten Werkstoffes haben muss.

Allgemeines über Lacke

Bei Lacken handelt es sich um filmbildende Beschichtungsstoffe in flüssiger bzw. auch pulverförmiger Form für Oberflächen von Metall, Holz, Holzwerkstoffen oder auch Glas sowie Kunststoffen. Lacke werden in der Regel dünn auf Objekte aufgetragen (gespritzt, gestrichen, gerollt oder getaucht) und sie trocknen anschließend durch physikalische oder chemische Prozesse (beispielsweise Verflüchtigen des Lösemittels) zu einer festen durchgängigen Schicht ab.

Zusammensetzung der Lacke

Lacke setzen sich meistens aus flüchtigen Lösungsmitteln und nichtflüchtigen Komponenten, wie Füllstoffen, Bindemitteln, ggfs. Pigmenten, Acrylaten, Harzen und weiteren eigenschaftsbildenden Additiven zusammen:

  • Die flüchtige Komponente, das Lösemittel, verdunstet beim Trocknungsvorgang des Lackes. Die nichtflüchtigen Komponenten bleiben danach als glatte Schicht auf dem lackierten Material haften.
  • Ein Bindemittel im Lack sorgt für eine effektive, gleichmäßige Suspension mit den Lösungsmitteln sowie Pigmenten im Lack und ist für einen perfekten Trocknungsvorgang ohne Blasenbildung sowie den späteren Glanz verantwortlich.
  • Pigmente mit Teilchendurchmessern im Bereich von 0,1 bis 2,0 μm sind maßgeblich für die Farbgebung der Lackierung verantwortlich. Eines der am häufigsten verwendeten Lack-Pigmente ist das Weißpigment Titandioxid.

Die drei wesentlichen Zwecke eines Lackes sind:

  1. der schützende Effekt, etwa bei Schutzanstrichen,
  2. ein dekorativer Effekte, wie z. B. eine bestimmte Farbgebung,
  3. die Funktion, etwa wenn es um bestimmte Oberflächeneigenschaften geht (z. B. zur elektrischen Isolation).

Einteilung von Lacken

Lacke werden sowohl nach Verarbeitungsaspekten als auch nach ihrer inhaltlichen Basis eingeteilt, z. B. nach dem Lösemitteltyp (etwa Spirituslack), dem Charakter des Bindemittels (etwa Öllack), der Trocknungsart (z. B. Einbrennlack) oder dem Anwendungsbereich (Bspw. Klavierlack).

Die am häufigsten anzutreffenden Lacke sind:

LackartBeschreibungAnwendungLösemittel
Alkydharzlacke (lufttrocknend) Meist sind synthetische Kunstharze als Bindemittel enthalten. Deswegen laufen sie oft auch unter der Bezeichnung Kunstharzlacke. Misch-Alkydharze zeigen eine schnellere Antrocknung, hohe Wetterbeständigkeit, große Oberflächenhärte und eine geringere Vergilbung. Alkydharzlacke kommen für eine Beschichtung von Metall oder Holz in Frage. Dies gilt sowohl für Innen- als auch für Außenanwendungen. lösemittelhaltig
Dispersions-
Lackfarben
Dispersionslacke haben als Basis wasserlösliche Kunststoffdispersionen, die auf Acrylsäureestern (polymerisiert) basieren. Sie eignen sich zur Beschichtung vielerlei Oberflächen im Innen- oder Außensektor.wässrig
Epoxidharzlacke Diese setzten sich meist aus zwei mischbaren Bestandteilen zusammen. Allerdings muss der Lack nach dem Mischvorgang wegen der kurzen Topfzeit zügig aufgetragen werden. ist. Die Härtungszeiten lassen sich durch Wärme verkürzen (bei Raumtemperatur ein halber Tag, bei 120 °C circa eine halbe Stunde).z. B. für mechanisch sehr stark belastete Betonböden.lösemittelhaltig
PolyurethanharzlackeDiese setzen sich aus einer einzigen oder mehreren Komponenten zusammen. Polyurethanharzlacke reagieren nach dem Auftragen mit Luft oder sobald sie vermischt werden und die Komponenten chemisch miteinander reagieren (Reaktionslacke). Wegen der hohen Beständigkeit eignen sie sich zur Parkettfußboden-Versiegelung oder zur Oberflächenbeschichtung von hochwertigen Möbeln.lösemittelhaltig
Polyesteranstrichfarben -z. B. zum Lackieren von Möbeln lösemittelhaltig
Pulverlackeduroplastische Beschichtungspulver mit einem Festkörperanteil von 100 %.-lösemittel- und wasserfrei
Sonstige Farben auf Basis natürlicher Polymere --wässrig

Grundsätze des Klebens von lackiertem Holz sowie Metall

Generell gilt: Wird etwa lackiertes Metall oder lackiertes Holz geklebt, so verklebt man nicht das Metall bzw. Holz, sondern bloß den Lack mit der betreffenden zweiten Klebeoberfläche. Dazu muss der Lack sicher und fest haften. Oftmals beruht ein Abblättern des Lackes auf einer unzureichenden Untergrundbehandlung der angestrichenen Materialien, wie etwa einer mangelnden Reinigung oder Entfettung/Entrostung – vor allem bei Metall.

Wichtig für eine alterungsstabile und sichere Haftung beim Kleben auf lackierten Oberflächen ist es, den Lack und den Klebstoff sorgfältig aufeinander abzustimmen. Auch sollten die Einsatzbedingungen mit einbezogen werden. Deswegen empfiehlt es sich, die Qualität der Haftung zuvor mittels Klebversuchen zu überprüfen. Bisweilen lässt sich die gewünschte Prozess-Sicherheit jedoch auch nur durch weitere Oberflächenbehandlungsverfahren gewährleisten.

Bei Holz ist zu beachten, dass dem Untergrund durch die Beschichtung mit Lacken die Saugfähigkeit abhanden kommt. Man muss hier dementsprechend Klebstoffe verwenden, die für derartige nicht-saugende Untergründe geeignet sind. Mittels PUR-Klebstoffen lassen sich z. B. lackierte Untergründe mit saugenden Holzoberflächen verbinden.

Holz (lackiert oder beschichtet) gegeneinander oder mit anderen Materialien kleben

Ungeeignet sind hier zunächst einmal wässrige Klebstoffe (Leime), deren Wasseranteil von der beschichteten Holzoberfläche nicht absorbiert werden kann. Bewährt haben sich hingegen Kontaktklebstoffe, die vor dem Fügevorgang abtrocknen, Schmelzklebstoffe oder 1- bzw. 2-komponentige Reaktionsklebstoffe.

In Frage kommt hier zum Beispiel der klare 2K-Konstruktionsklebstoff auf EpoxidharzbasisScotch-Weld DP 110 von 3M. Dieser verbindet ebenso lackiertes oder kunststoffbeschichtetes Holz mit Metallen (blank, lackiert, beschichtet) sowie einer Vielzahl von thermoplastischen und duroplastischen Kunststoffen. Dieser Klebstoff ist ebenso geeignet, lackiertes Holz mit rohem Holz zu verkleben.

Metall (lackiert oder beschichtet) mit thermoplastischen oder duroplastischen Kunststoffen kleben

Wichtig ist, dass der hier eingesetzte Klebstoff sowohl eine Klebeeigenschaft zu der Oberflächenschicht der Metalle, als auch zu den o. g. Kunststoffen besitzt. Dies ist in der Regel bei 2-Komponenten-Konstruktionsklebstoffen auf Polyurethan- oder Acrylatbasis der Fall.

Beispiele sind hier der schnellhärtende 2K-PolyurethanklebstoffScotch-Weld DP 609 von 3M, der bereits bei Raumtemperatur härtet. Er wurde für das Kleben von lackierten Metalloberflächen und Kunststoffen wie ABS, PA, PC, PS und sowie einer Vielzahl anderer Werkstoffe entwickelt. Dort, wo volle Transparenz und gute Optik gefragt sind, ist die Produktvariante Scotch-Weld DP 610 sinnvoll.

Ein Beispiel für einen 2-Komponenten-Konstruktionsklebstoff auf Acrylatbasis ist Scotch-Weld DP 8010 mit kurzer Verarbeitungszeit und schnellem Festigkeitsaufbau – ein zähelastischer Klebstoff, der ebenfalls lackierte, geprimerte Metalle und zudem weitere Kunststoffe, wie ABS, Hart-PVC, PMMA verbindet, dazu Faserverbundwerkstoffe, Glas sowie Holz.

Für die Klebung von lackierten Oberflächen sind auch Klebebänder auf dem Markt, mit denen sich Holz oder Metall anpassungsfähig verbinden lässt. Dazu zählt zum Beispiel das doppelseitige 3M VHB Hochleistungsklebeband 5952F, mit dem sich niederenergetische Werkstoffe, wie etwa Pulverlacke, lackierte Oberflächen oder lackiertes Holz mit hochenergetischen Werkstoffen, wie z. B. Metallen, Glas, Keramik dauerhaft und fest im Innen- und Außenbereich verbinden lassen.

Generell gilt, dass lackierte Oberflächen bei allen Klebevorgängen sauber und fettfrei sein müssen!

Profitipp: Wenn lackiertes oder beschichtetes Holz mittels Klebeband bzw. Gewebeband geklebt werden soll, empfiehlt es sich, keine Bänder mit allzu hoher Klebkraft zu verwenden. Denn dann könnten sich bei Belastung die Beschichtung bzw. Lackierung der Holzfläche lösen oder das Holz sogar fasertief mit aufgerissen werden. Bänder mit geringer Klebkraft zerstören beim Lösen hingegen die Struktur bzw. Oberfläche der Substrate nicht. Bei einer späteren Ablösung des Bandes ist es sinnvoll, das Klebeband nicht zu schnell, aber zügig schräg abzuziehen.