Fachinformationen rund um's Kleben von

Kunstleder kleben

Kunstlederprodukte sind als preisgünstige Alternative zu Leder recht verbreitet: etwa für Sitzmöbelbezüge, Bekleidung, Schuhe oder Fahrzeugleder. Das Material ist hygienisch sowie pflegeleicht und kann mit Lösemittelklebstoffen recht gut geklebt werden.

Allgemeines über Kunstleder

Da Leder ein relativ teures Material ist und die Verschnittkosten bedingt durch Narben, Fehlstellen, Schäden oder unregelmäßige Außenkonturen einer Lederhaut sehr hoch sind, greift man gerne auf Kunstlederprodukte zurück. Unter dem Sammelbegriff Kunstleder werden alle lederähnlichen Verbundstoffe zusammengefasst. Das Lederimitat ist üblicherweise ein Materialverbund aus einer Kunststoffdeckschicht (z. B. Polyvinylchlorid – PVC) und einem textilen Gewebe-Grundträger. Die Gewebe, meist aus Chemiefaser, Naturfaser- oder Mischgewebe, sind also in der Regel mit Weich-PVC, bisweilen auch mit Polyurethanmaterial beschichtet. Je nach Anwendung kann diese Beschichtung geschäumt oder kompakt ausgeführt werden. Abschließend erhält die Oberfläche noch eine lederähnliche Narbenprägung, die dem Kunstleder seinen Namen gibt.

Kunstlederarten

Grundsätzlich sind zwei Arten von Kunstledern verbreitet. Zum einen die Beschichtung des Gewebes mit Weich-PVC und zum anderen eine solche mit Polyurethanschaum, was unter Umständen Auswirkung auf die Verklebung von Kunstleder hat:

  • PVC-Kunstleder besteht aus einer einer kompakten Nutzschicht sowie einer Schaumunterseite. Das verwendete Weich-PVC wird dazu mit chemischen Treibmitteln vermischt, die im Zuge des thermischen Trocknungsvorganges der Beschichtung Gasblasen erzeugen. Die Vorteile: PVC-basiertes Kunstleder ist nicht nur preislich recht günstig, sondern auch überaus robust. Denn PVC ist beständig gegen Witterungseinflüsse wie UV-Licht, Hitze und Kälte, Wasser sowie Chemikalien.
    Die hohe Reißfestigkeit macht Weich-PVC auch widerstandsfähig gegenüber mechanischen Oberflächeneinwirkungen. An sich ist PVC jedoch hart und spröde, es wird erst durch Zugabe von Weichmachern und Stabilisatoren weich. Dadurch lässt sich die Härte und Zähigkeit von Weich-PVC, sprich Kunstleder, gut variieren. Zudem kann man PVC sehr gut einfärben.
  • Auch das seltener bei Kunstledern verwendete Polyurethan erhält seine Schaumstruktur durch chemische Treibmittel. Bei Verwendung in Kunstleder wird der Beschichtung durch Prägung eine Lederstruktur verliehen. Oftmals kommen zum Polyurethan noch andere Kunststoff-Zumischungen hinzu. So besteht z. B. Clarino-Kunstleder, das Veloursleder ähnelt, zu 60 Prozent aus Polyamid und zu 40 Prozent aus Polyurethan. Eingesetzt wird es vor allem bei Schuhen, Taschen und Sportartikeln. Polyurethan-Kunstleder hat den Vorteil, dass es auch in der Waschmaschine waschbar ist.

Beispiele für Kunstledermarken und –bezeichnungen

Skai

Napalonleder

Clarino

Lederol

Eigenschaften und Anwendungsbeispiele

Kunstleder ist in beinahe allen Bereichen anzutreffen, wo auch Leder eingesetzt wird: bei Schuhen, Bekleidung, Taschen, Modeartikeln, Fahrzeugledern oder Sitzmöbelbezügen für Sessel oder Sofas, ebenso bei Büroartikeln (Schreibmappen, Unterlagen etc.). Optisch gelingt es den Produzenten meist sehr gut, die Lederoberfläche zu imitieren. Auch wenn es eine kostengünstige Alternative zu Echtleder ist, werden von Kunstleder doch die materialtechnischen Eigenschaften von Leder (Wasserdampfdurchlässigkeit, Atmungsaktivität etc.) nicht annäherungsweise erreicht.

Andererseits gibt es aber auch Gebiete, wo Kunstleder Vorteile gegenüber Leder hat: z. B. Motorradsitzbänke, Sitze bei Jetskis oder Außenpolster von Booten sind haltbarer als Alternativen aus Leder. Auch in beinahe jedem Auto finden sich Leder-genarbte Oberflächen aus Kunstleder: gleich ob es sich um Hartkunststoffteile (z. B. Lenkrad, Griffe, Armaturenbretter) handelt, mit Kunstleder bezogene Rückseiten und Unterteile von Autositzen bzw. -türen, oder flexible Verkleidungen für Faltdächer oder Schaltsäcke. Die in Fahrzeugen eingesetzten Kunstleder sind vor allem sehr robust.

Auch im Medizinbereich bietet Kunstleder Vorteile: Untersuchungs- oder Behandlungsmöbel und Zahnarzt- sowie Massageliegen sind deutlich haltbarer und überstehen problemlos auch regelmäßige Desinfektionen.

Kunstleder von echtem Leder zu unterscheiden, ist nicht immer ganz einfach. Wesentliches Merkmal von Kunstleder ist normalerweise eine textile, mit Kunststoff beschichte Rückseite. Überdies schmilzt Kunstleder, wenn es großer Hitze ausgesetzt wird, Leder glimmt hingegen nur. Normalerweise kann man den Kennzeichnungen der Hersteller jedoch Glauben schenken.

Passende Klebstoffe für Kunstleder

Grundsätzlich ist es vor einer Klebung von Vorteil zu wissen, ob es sich um Polyurethan- oder PVC-Kunstleder handelt. Weich-PVC benötigt z. B. spezielle weichmacherbeständige Klebstoffe. Generell lassen sich Kunstlederverbindungen aber ganz gut mit Lösemittelklebstoffen herstellen.

  • Die Domäne der Kontaktklebstoffe (auch schon mal als Kraftklebstoffe bezeichnet), zu denen sowohl Lösemittelklebstoffe als auch Dispersionsklebstoffe zählen, ist das großflächige Kleben von Leder oder Kunstleder. Sie haben gute Benetzungseigenschaften und funktionieren neben Kunstleder auch gut zu den Substarten Keramik, Glas, Leder, Kork, Textilien. Da manche dieser Materialien kaum durchlässig für Lösungsmittel sind, muss dieses jedoch schon vor dem Zusammenfügen der Teile abdampfen oder ablüften können. D.h. also: Klebstoff gleichmäßig auf beide Seiten auftragen. Nach Ablauf der vorgeschriebenen Ablüftzeit, die von der Temperatur, Luftfeuchte und Luftzirkulation abhängig ist, sowie der Porosität der Untergründe, werden die Teile mit Druck innerhalb der Klebspanne zusammengefügt.
  • Ein Beispiel für marktgängige Kunstleder-Klebstoffe ist der 3M Lösemittelklebstoff Scotch-Weld 847 auf Nitrilkautschukbasis. Dieser eignet sich zum Kleben von Kunstleder/Weich-PVC mit sich selbst oder mit Holz, Leder, Stahl, Aluminium, Gummi. Vor allem ist Scotch-Weld 847 weichmacherbeständig, zeichnet sich aber auch durch hohe Festigkeiten, gute Alterungseigenschaften und erhöhte Wärmefestigkeit aus.

Für Kunstleder besonders in Verbindung mit Kunststoffen wie Hart- und Weich-PVC, Acrylglas (PMMA), Polyacetat, Polycarbonat, Polyester ist auch der Lösemittelklebstoff Scotch-Weld 4475 bestens geeignet. Der Mehrzweckklebstoff auf Basis Copolymere klebt aber auch Kunstleder auf Keramik, Glas, Leder, Kork und Textilien. Neben der hohen Festigkeit ist er Öl-, Fett- und weichmacherbeständig sowie alterungs- und wasserbeständig. Die optimale Verarbeitungstemperatur für Klebstoff sowie Werkstoff liegt im Bereich von 15°C und 20°C. Die Klebung erzielt dann nach zwei bis drei Tagen ihre Endfestigkeit.

Profitipp: Generell empfiehlt es sich, Kunstleder vorher mit Scotch-Brite bzw. Schleifpapier etwas aufzurauen. Nicht ausgehärteter Klebstoff kann hinterher mit ein wenig Wasser oder Seifenlauge entfernt werden, angetrockneter Klebstoff hingegen mit organischen Lösemitteln (MEK, Aceton).

  • Ganz praktisch bei Kunstleder sind auch Klebstoffe in Form von Sprühklebern aus der Sprühdose. Mit ihnen lassen sich größere Kunstleder-Teile leicht auf ebenen Flächen etwa aus Holz oder Schaumstoff verkleben.

Tabelle zum Kleben von Kunstleder/Weich-PVC mit

Kunstleder/ Weich-PVCP
SteinP
Papier/PappeP,F,U
MetalleP
LederP,C,F,U
HolzP,F
HartkunststoffeP

F = Kontaktklebstoff/ Dispersionsklebstoff

C= Cyanacrylat/Sekundenkleber

P = Plastikklebstoff

U = Alleskleber / Lösemittelklebstoff

Tipp: Kunstleder richtig kleben – kleine Schadstelle am Sofa oder Sessel ausbessern

Sitzmöbel sind häufig mit Kunstleder bezogen. Schadhafte Stellen oder gar Löcher lassen sich aber meist recht gut mittels Klebung ausbessern.

  • Die Oberfläche des Kunstleders muss zwingend staub- und fettfrei sowie trocken und sauber sein. Ggfs. die betreffende Stelle mit Alkohol entfetten. Denn selbst kleinste Fettspuren oder Verschmutzungen führen zu einem schlechten Ergebnis.
  • Flicken in der passend zugeschnittenen Größe einfach mit Lösemittelklebstoff und unter Beachtung der obigen Regeln über der schadhaften Stelle fixieren.
  • Verarbeitungstemperatur beachten: Diese sollte nicht niedriger als plus 15 Grad und nicht höher als plus 30 Grad sein. Liegt man über oder gar unter diesen Temperaturen, kann es passieren, dass der Klebstoff nicht richtig abbindet und somit kein gutes Klebeergebnis erzielt wird.