Fachinformationen rund um's Kleben von

Textilien Kleben

Auch Textilien werden heute industriell zunehmend geklebt – inzwischen erreicht der Marktanteil von geklebten Textilien schon knapp zehn Prozent. Doch bei der Fülle der verschiedenen Stoffe mit einem breiten Spektrum unterschiedlichster Textileigenschaften kommt es dabei auf den passenden Klebstoff an: Sprühkleber, Heißklebstoff oder Lösemittelklebstoffe haben sich hier je nach Anwendung als „flüssiger Faden aus der Flasche“ bestens bewährt.

Herstellungsverfahren

Bei der Textilherstellung sind unterschiedliche Verfahren gebräuchlich:

  • Spinnen (Spinnfasern bilden durch Drehen ein festes Garn aus)
  • Wirken (u. a. auch beim Stricken entsteht ein textiles Flächengebilde, indem Maschen aus verketteten Schlingen miteinander verbunden werden)
  • Weben (rechtwinklig zueinanderstehende Fäden – Schuss und Kette – werden zu einem engen Gewebe verkreuzt)
  • weitere Fügeverfahren sind Häkeln, Klöppeln, Flechten und Knoten (hierbei entstehen textile Flächengebilde aus den Fäden)
  • Filzen (eine sehr alte Methode, bei der filzfähige Fasern, insbesondere Haare oder Wolle, mittels thermischer, mechanischer oder chemischer Prozesse ineinander verfilzt werden)

Eigenschaften

Bei Textilien ergibt sich alleine aus der Fülle verschiedener Herstellungsverfahren in Kombination mit einem breiten Spektrum von jeweils ganz spezifischen textilen Materialien und Stoffarten eine vieltausendfache Zahl ganz unterschiedlicher Eigenschaften, die im Optimalfall auf die Anforderungen der Anwendungsbereiche abgestimmt sind. Hierzu zählen mechanische Eigenschaften, wie Festigkeit und Dehnung bei statischer und dynamischer Beanspruchung, ebenso wie Reinigungsbeständigkeit oder Knitterneigung. Allen Textilien ist gegenüber Gebilden aus kompakten Materialien wie z. B. Metallen und Keramiken allgemein eine hohe Porosität, die für Lufteinschluss, Wärmeisolierung, Lufttransparenz sowie gute Schweißaufnahme bei Kleidungsstücken sorgt, gemeinsam.

Kleben statt nähen

Gemeinhin werden Textilien und Textilverbindungen mit Nadel und Faden genäht. Doch nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten setzt sich in der Textilindustrie zunehmend auch das Kleben als innovative Fügetechnik durch – auch als hilfreiche Ergänzung zur klassischen Nähnaht.

Vorteile

  • „Klebenähte“ tragen wenig auf
  • in ihrer Elastizität ähneln sie dem Stoff selbst
  • es gibt kein – möglicherweise scheuerndes – Nähgarn
  • Klebenähte rufen nur minimale Druckstellen hervor
  • Kleben ist recht schnell und der Prozess zudem automatisierbar

Geklebt wird vor allem in Nischenbereichen der Textilindustrie, d. h. eher bei Premium-Produkten, dort wo die Preissensibilität der Kundschaft nicht ganz so ausgeprägt ist: bei wasserabweisenden Funktionstextilien wie Outdoor- oder Sportbekleidung, bei Dessous oder spezielleren Designerkreationen. Auch im orthopädischen Bereich (Prothesenstrümpfe, Stütz- und Wundverbände) sind Klebnähte gebräuchlich. Expertenangaben zufolge erreicht der Marktanteil von geklebten Textilien inzwischen knapp zehn Prozent.

Klebetechnische Aspekte bei Textilien

Raue, saugende Oberflächen wie bei Textilien bieten beim Kleben den Vorteil einer guten mechanischen Verankerung: Der Klebstoff dringt gut in Fasern ein oder lagert sich in Zwischenräumen fest. Um aber Fehlklebungen und Verfärbungen beim textilen Kleben zu vermeiden, muss der passende Klebstoff mit Sorgfalt gewählt werden. Bei Textilverklebungen eignen sich etwa für größere Flächen andere Klebstoffe als für punktuelle, kleine Klebestellen. Speziell bei Baumwollgeweben muss z. B. die Appretur oder die Färbung beachtet werden. Denn bei entsprechend behandelten Textilien ist die Klebeoberfläche dann keine reine Baumwolloberfläche mehr und weist damit gänzlich andere Klebeeigenschaften auf. Zudem ist das Kleben nicht immer unproblematisch, wenn die Textilen später in die Waschmaschine kommen.

Klebstoffarten für Textilien

Ein Alleskönner ist Sprühkleber. Dank des dünnen, feinen Sprühauftrages sind hierbei später keine Flecken auf der anderen Stoffseite zu sehen, wie es bei flüssigem Textilklebstoff bisweilen der Fall ist. Vor der Anwendung muss der Sprühkleber sehr gut aufgeschüttelt werden und der textile Untergrund sollte sauber, staub- und fettfrei sein. Bei einem Sprühabstand von 25-30 cm erhält man ein gleichmäßiges Ergebnis. Den Klebstoff nach Herstellerangaben jedoch zunächst kurz antrocknen lassen und dann die Teile kurz zusammenpressen. Kurzeitig lässt sich bei Sprühkleber auch noch etwas korrigieren. Widerspenstige Stoffteile lassen sich vor dem Klebstoffauftrag gut mit Klebeband fixieren. Beim Einsatz eines Sprühklebers ist auch kein Heften oder Stecken der Quiltlagen (gesteppte Ware) mehr nötig. Der Sprühkleber hält die Lagen temporär für das Hand- oder Maschinenquilten zusammen. Das Spray einfach auf das Vlies sprühen, den Stoff auflegen, glatt streichen und schon ist das Sandwich fertig zum Quilten. Sprühkleber eignet sich auch ideal, um Sand, Glitter oder Flitter auf dem Material zu fixieren.

Als Sprühklebstoff in Frage kommt z. B. Scotch-Weld Aerosol, wie der Sprühklebstoff 80 auf Basis synthetischer Elastomere von 3M. Er verfügt über eine kurze Ablüftzeit bei langer Klebspanne und verbindet etwa Textilien miteinander oder mit Holz, Metallen, Gummi, Kork und Leder sowie Schaum- und Kunststoffen wie Hart- und Weich-PVC. Eine Alternative ist der 3M Sprühkleber 74 – für eine weiche, flexible Klebnaht, sodass Textilien auch gut mit flexiblen Schaumstoffen verbunden werden können. Für den Deko- und Studiobereich bietet sich der 3M DisplayMount Sprühkleber an. Er klebt sofort und dauerhaft Textilien mit Styropor, Pappen, Plastik, ist feuchtigkeitsbeständig und schlägt nicht durch.

Besonders für faserige Oberflächen von Stoffen und Textilien eignet sich ideal ein Heißklebstoff. Da dieser beim Auftragen auf den gewünschten Stoff flüssiger ist als viele normale Klebstoff, dringt er etwas tiefer in den Stoff ein, bevor er erkaltet. Heißklebstoff eignet sich also besonders für dicke, festere Textilien (etwa für Bastelarbeiten), da bei ihnen keine Gefahr besteht, dass man den Kleber von der Rückseite des Stoffes sieht.

Profitipp: Beim Heißkleben auf Stoffen ist es außerdem wichtig die umliegenden Stellen mit einem Streifen Papier oder Pappe abzudecken, sodass der Klebstoff nicht versehentlich auf den Stoff tropft.

Auf dem Markt sind hier etwa die 3M Schmelzklebstoffe der Low-Melt und Hot-Melt Technologie. Diese Schmelzklebstoffe mit hundertprozentigem Festkörperanteil basieren auf lösemittelfreien thermoplastischen Schmelzharzen. Ihr Vorteil: Diese sind in geschmolzenem Zustand benetzungsfähig und entwickeln ohne chemische Umwandlungen gute Festigkeiten zu zahlreichen Werkstoffen wie Textilien, Filz, Leder, Kork, Kunst- und Schaumstoffen, Gummi sowie Glas, Keramik und Metallen.

Auch Lösemittelklebstoffe verfügen über gute Benetzungseigenschaften auf Textilien in Verbindung etwa mit Filz, Leder, Kork, Pappe, Holz, Glas, Keramik, Kunststoffen, Gummi, Schichtstoff-, Hartfaser- und Dekorplatten, Furnieren etc. Dieser Klebstoff wird üblicherweise auf beiden Klebeoberflächen aufgetragen und beide Teile werden nach einer kurzen Ablüftzeit (auch Klebspanne genannt) mit etwas Druck zusammengefügt. Ein einseitiger Auftrag (d. h. eine Nassklebung) kann erfolgen, wenn mindestens eine der beiden Oberflächen porös ist. Zu nennen wäre hier etwa der Scotch-Weld Lösemittelklebstoff 10, ein Kontakt-Klebstoff auf Basis von Polychloropren mit kurzer Ablüftzeit und langer Klebspanne.

In der Praxis eignen sich neben Flüssigklebstoffen auch doppelseitige Klebebänder, wie das 3M 9088 mit PET-Träger. Dies verbindet nicht nur Textilien untereinander, sondern auch mit Holz, Papier, Kunststoff, Metall, Glas. Auch doppelseitige Klebstoff-Filme ohne Träger kommen hierfür in Frage.

Drei Tipps zur einfachen Markisen-Reparatur

Witterungseinflüsse und UV-Strahlen und tragen zur Materialalterung bei, was irgendwann zu Löchern, Rissen oder offenen Nähten führen kann. Der eingesetzte Reparaturklebstoff muss Textil-geeignet sein und zudem UV-stabil sowie witterungsbeständig sein. Überdies muss er den dynamischen Belastungen aufgrund von Windbewegungen sowie durch das Ein- und Ausfahren der Markise standhalten – ein elastisches Aushärten ist also wichtig.

Grünbelag, Schmutz sowie Fette hemmen die Haftung des Klebstoffes. Markise daher zunächst von Algen oder Moos befreien, und ggfs. eine Komplettreinigung des Stoffes vornehmen. Stoff anschließend wieder vollständig trocknen lassen.

1) Kleine Risse mit ein wenig Überlappung verkleben

Reparaturkleber mit einigen Raupen auftragen, so dass nicht bloß die benachbarten Stoffbahnen miteinander verbunden werden, sondern auch eine Abdichtung stattfindet. Sehr kleine Löcher lassen sich auch einfach nur mit Klebstoff ausfüllen.

2) Markisennaht kleben

Nahtverlauf zunächst säubern. Dann die zu schließende Naht mit dem Klebstoff durchgängig einseitig bestreichen, da anderenfalls später Wasser durch die nicht ganz verschlossene Naht eindringen kann. Die reparierte Naht während des Aushärtens mit Klebeband oder Federklemmen fixieren.

3) Reparatur größerer Risse mittels Flicken

Die geschlossene Lücke beim Riss zunächst mit Klebeband fixieren. Den Kleber einseitig auf den Flicken aufgetragen. Anschließend den Flicken von oben mit der Klebeseite auf den Riss legen und faltenfrei fest streichen. Das Vernetzen des Klebstoffes kann einige Zeit in Anspruch nehmen – gewöhnlich einen Tag. Bei wirklich großen Stoff-Fehlstellen zweiten Flicken von der anderen Seite aufkleben.