Fachinformationen rund um's Kleben von

Styropor kleben

Das aufgeschäumte, leichte Styropor eignet sich optimal zur Wärmedämmung oder z.B. für den Schallschutz, gilt klebetechnisch aber als anspruchsvoll. Heute sind dafür jedoch eine ganze Vielzahl technologisch hochentwickelter Klebelösungen verfügbar.

Styropor: Kleine Materialkunde

Der niederenergetische Kunststoff Polystyrol (kurz PS, Markennamen: u.a. Styropor, Styrodur, Vestyron) ist ein weiches und sehr leichtes Material, das in aufgeschäumter Form häufig zum Isolieren, als Verpackungsmaterial, aber auch für Bastelarbeiten sowie Hobbyprojekte verwendet wird.

Polystyrol ist seit 1839 bekannt. Der Apotheker Eduard Simon entdeckte es, als er aus einem Pflanzenextrakt (Storax) mit Hilfe der Wasserdampfdestillation Styrol gewann und dieses dann in seinem Labor unvorhergesehen polymerisierte. Erst 1931, also 92 Jahre nach seiner Entdeckung, gelang es der I.G. Farben in Ludwigshafen Polystyrol großtechnisch aus Styrol zu produzieren. Die Aufschäumung von Polystyrol mit niedrig siedenden Kohlenwasserstoffen und Wasser, also die Herstellung von z.B. Styropor, gelangte aber erst 1950 zur technischen Reife. Heute gehört Polystyrol mit einem Anteil von ca. 10 % am Weltkunststoffverbrauch zu den fünf verbreiteten Thermoplasten.

Anwendungen von Styropor

Styropor kann im Alt- oder Neubau in Form von Hartschaum-Dämmplatten vielseitig eingesetzt werden. Am häufigsten werden heute Dämmstoffplatten aus offenporigem expandiertem Polystyrol (EPS) für die Fassadendämmung innerhalb eines Wärmedämmverbundsystems (WDVS) beim Hausbau eingesetzt. Dieses auf Styropor basierende Isoliermaterial ist kostengünstig, flexibel und für viele Einsatzgebiete am Bau geeignet.

Technische Daten EPS:

Wärmeleitfähigkeit λ0,020 – 0,040 W/(mK)
Rohdichte ρ15 -30 kg/m³
Wasserdampfdiffusionswiderstand μ20 - 100
Baustoffklasse nach DIN 4102B1 schwer entflammbar

Mit Styropor-Dämmplatten lassen sich aber auch alle Räume eines Hauses vom Dach bis zum Keller innen und außen wirksam gegen Trittschall und Wärme dämmen. Auch in der Fahrzeugindustrie gehört das Styropor kleben zum Alltag. Die Luftfahrt- und die Bauindustrie sowie der Containerbau arbeiten ebenfalls mit diesem Werkstoff.

5 Praxistipps zum Aufbringen von EPS-Platten

  1. Eine Fassadendämmung mit dem Wärmedämm-Verbundsystem kann sowohl auf altem Mauerwerk und altem Putz, als auch auf Neubauwänden erfolgen Generell gilt wie bei jeder Klebung: Damit der Klebstoff einen guten Halt auf dem Untergrund erhält, sollte dieser fest, sauber und trocken sein. Sandenden oder kreidenden Altputz mit Tiefengrund vorbehandeln. Die Klestoffschichtdicke wird später max. 10 mm betragen, daher sind Unebenheiten vorher auszugleichen.
  2. Die EPS-Dämmplatten umlaufend mit einer Klebewulst versehen, denn nur so lässt sich eine spätere Verformung der Dämmplatten verhindern. Anschließend folgen noch drei Klebebatzen auf die Dämmplatte. Insgesamt so viel Klebespachtel auftragen, dass nach der Verklebung etwa 40 % der Plattenfläche mit dem Untergrund geklebt sind. Wird das Styropor nur punktuell geklebt, besteht die Gefahr, dass sich die Platten verformen. Dadurch können sich später Spalten bilden, die die Dämmwirkung reduzieren.
  3. Stoß- und Lagerfugen sollten frei von Klebemörtel bleiben
  4. Platten fest aneinander stoßen lassen. Die weitere Verlegung der Dämmplatten erfolgt immer im Versatz
  5. Bei nicht ausreichend hoher Tragfähigkeit, z. B. bei der Altbausanierung, oder bei schweren Platten mit Tellerschlag- oder Schraubdübeln mittig fixieren.

Styropor kleben

Polystyrol zählt klebetechnisch zu den Materialien mit niedriger Oberflächenenergie (38 mN/m). Zum Kleben von Styropor bzw. Styroporplatten sind daher spezielle Klebstoffe notwendig. Diese müssen lösungsmittelfrei und zugleich schwer entflammbar sein. Lösungsmittelhaltige Klebstoffe können das Material nämlich zersetzen. Je nach Art der Styropor-Dämmplatten und des Einsatzgebietes gibt es unterschiedliche Klebstoffe. Bei der Wanddämmung von Innen kann zum Beispiel ein Bauklebstoffe genutzt werden. Dabei handelt es sich um einen Dispersionsklebestoff mit einem Zusatz an Zement. Bei der Perimeterdämmung, d.h. zur Wärmedämmung erdberührter Bauteile von Gebäuden und Bauwerken an ihrer Außenseite, lassen sich spezielle Klebebänder, oder bituminöse Klebemassen wie Zwei-Komponenten-Klebstoffmassen anwenden.

  • Für kleine Flächen eignet sich Styropor-Material Klebeschaum – ein leicht zu verarbeitender Polyurethanschaum. Er dient etwa zum Befestigen von Dämmstoff-Platten an Mauerwerk, Fassaden, Kellerdecken sowie auf Flachdächern. Die in der Regel geringe Wärmeleitfähigkeit des Schaums von ca. 0,030 W/(mK) sorgt dafür, dass Klebeschaum wie eine zweite Dämmschicht zwischen Dämmplatte und Hauswand wirkt (Isolierschaum, Dämmschaum) und so die Isolierung wärmebrückenfrei (keine Kältebrücken) angebracht werden kann.
  • Ähnliches gilt für Sprühklebstoffe, meist sprühbare Aerosol-Klebstoffe auf Basis synthetischer Elastomere, die sich nicht nur zum Kleben von Styropor, sondern auch von Isoliermaterialien wie Stein- oder Glaswolle einsetzen lassen. Sprühklebstoffe zeichnen sich durch eine kurze Ablüftzeit und Klebspanne so wie dauerhafte Verbindungen aus. Ferner tritt kein Absacken und Durchschlagen auf. Weiterer Vorteil: Sprühklebstoffe lassen sich auf Knopfdruck einfach, schnell, mobil und sauber ohne zusätzliche Hilfsmittel wie Pinsel, Rakel etc. auftragen, die also nicht noch nachträglich gereinigt werden müssen.
  • Reaktive Schmelzklebstoffe für Kunststoffe wie PS, PC oder ABS basieren auf Polyurethanen mit thermoplastischem Charakter. Diese Polymere reagieren bei der Anwendung mit Luftfeuchtigkeit zu einem vernetzten Polyurethan mit hoher molarer Masse. Die durch Abkühlung erstarrten reaktiven Schmelzklebstoffe erlauben schnelle Produktionsprozesse sowie kurze Füge- und Presszeiten ohne vorheriges Trocknen des Klebstoffes. Sie verbinden die Vorteile von thermoplastischen Schmelzklebstoffen mit der Festigkeit und Beständigkeit von ausgehärteten Zweikomponentenklebstoffen. Extrudierbare Low-melt Schmelzklebstoffe mit kurzer Klebspanne, wie etwa die aus der Scotch-Weld-Reihe von 3M mit Schmelztemperaturen von 120 bis 130 °C, sind besonders geeignet für temperaturempfindlichere Materialien wie Styropor, aber für auch thermoplastische Folien, ohne Verfärbungen, Schrumpfen oder Verziehen zu verursachen. Sie lassen sich ebenfalls hervorragend einsetzen, um Hohlräume bzw. Fugen zu vergießen oder auszufüllen. Weitere Vorteile: geringere Verbrennungsgefahr und minimale Dampf- und Geruchsentwicklung.
  • Acrylat-Dispersionsklebstoffe speziell für das Kleben von Isolierwerkstoffen Styropor, Glas- oder Steinwolle bieten bei einem einseitigen Auftrag, eine schnelle Soforthaftung, gute Dauerklebrigkeit, hohe Ergiebigkeit und erlauben eine schnelle Weiterverarbeitung
  • Kombinierte niedrigmodulige Kleb- und Dichtmassen auf Basis von einkomponentigem Polyurethan schaffen permanente, elastische Verbindungen etwa von EPS zu einer Vielzahl anderer Materialien wie Kunststoffe, Fiberglas, Aluminium, Stahl, beschichtetem Metall und Holz. Solche Kleb- und Dichtmassen ermöglichen die Übertragung höherer Kräfte zwischen den Fügepartnern und eignen sich exzellent zur Klebung von Dehnungsfugen.
  • Inzwischen sind aber auch Lösemittelklebstoffe auf Basis synthetischer Elastomere zum Kleben von Isoliermaterialien wie Polystyrolschaum auf dem Markt, die nicht auf den Lösemitteln Toluol oder Aceton basieren, sondern auf PS-verträglichen aliphatischen Kohlenwasserstoffen. Als Isolier-Klebstoff etwa verfügen sie über eine lange Klebspanne, gute Anfangsfestigkeit und Wärmebeständigkeit.

Polystyrol-Hartschaumplatten kleben

Styropor-Deckenplatten, wie sie z.B. bei der Sanierung von Altbauten als Schutz gegen Wärmeverlust verwendet, sind dekorativ, schall- und wärmedämmend. Bei Deckenplatten verarbeitet man am besten gebrauchsfertigen Dispersionsklebstoff mit hohe Klebekraft, der pastös ist und der sich schnell verarbeiten lässt. Der Klebstoff muss beidseitig aufgebracht werden. Die Klebeflächen nach dem Aufbringen des Klebstoffes schnellst möglich exakt aneinander drücken. Etwaige Lücken zwischen den Styroporplatten, etwa durch Verschnitt, können mit lösungsmittelfreiem PU-Schaum aufgefüllt werden. Die volle Klebewirkung und Belastbarkeit tritt erst nach etwa einem Tag ein.